Druckschrift 
1 (1899)
Entstehung
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20
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20 Dietrich,

Bestreben, der Uebermacht der Hierarchie durch eiaen festen Zusammen-schluss weltlicher, den Werken christlicher Barmherzigkeit zugethaner,.einflussreicher Kreise, entgegen zu wirken. Das Hauptverdienst einigerdieser ritterlichen Orden beruht in ihrer Missionsarbeit, bei der sie dieheidnischen Länderstriche zum Christenthum bekehrten und kolonisirten.Für die Entwickelung der Krankenpflege und Krankenhäuser haben die-Ritterorden nicht viel geleistet.In der Krankenpflege giebt es keinAufrücken zu hohen Aemtern und Ehren, es ist mit sehr geringer Ab-wechselung stets dieselbe persönliche Arbeit, die im Einzelnen undKleinen, wenn auch nicht unentgeltlich, so doch ohne grossen äusseren;Lohn geleistet werden muss. In dieser Arbeit hat kein Ritterorden langeStand gehalten" (Virchow). Erst seit der Neubegründung der Johanniterdurch Friedrich Wilhelm IV. und die Reorganisation der preussischenMalteser traten diese Ritterorden für die Krankenpflege und Kranken-häuser in nutzbringender Weise ein.

Die bürgerlichen Krankenpflegegenossenschaften waren ebenfalls eine-Reaktion des Volkes gegen die Knechtschaft durch die Hierarchie.Ueberall trat das Bestreben hervor, sich der Bevormundung durchdie Kirche zu entziehen und Einrichtungen zu treffen, in denenman frei und unabhängig Werke der Liebe thun konnte. Solange sich die bürgerlichen Vereinigungen von der Herrschaft derGeistlichkeit frei halten konnten, blühten und wuchsen sie in ihrem.Beruf der werkthätigen Nächstenliebe, im besonderen der Kranken- undArmenfürsorge und mit ihnen gedieh die Krankenpflege. Sobald in ihnen,jedoch die- Geistlichkeit die Herrschaft gewann, begann das Wachsthumstill zu stehen und schliesslich der Verfall einzutreten. Andere Genossen-schaften dieser Art gingen durch Unterdrückung zu Grunde, wenn sie-versuchten, die Herrschaft der Kirche abzuschütteln oder gegen Miss-stände vorzugehen. Sie wurden als ketzerische Bestrebungen von derKirche verdammt und verloren dadurch ihre Existenzfälligkeit. Eingrosser Theil ging aber verloren durch Selbstsucht, Genusssucht undVernachlässigung des ursprünglichen Zweckes.

Nur die Schwesternschaften wirkten für die Krankenpflege unaus-gesetzt fördernd und belebend, doch wurden sie z. Th. ebenfalls von derKirche aufgehoben, da sie dem hierarchischen Prinzip widersprachen.

Am reinsten bewahrten ihre Berufstätigkeit die barmherzigenBrüder und Schwestern, die mit dem Beginn der Neuzeit für die Ent-wickelung der Krankenpflege überhaupt und für die Krankenanstalten imBesonderen von der grössten Bedeutung wurden.

1. Die ritterlichen Krankenpflegegenossenschaften.

a) Der Johanni territterorden.

Unter den ersten christlichen Kaisern war die Pilgerfahrt nach Jerusalem, die-damals als ein von allen heiss ersehntes frommes Werk galt, durch Befestigungenund Herbergen an den Strassen in Palästina selbst gleichsam unter Kaiserlichen,Schutz gestellt. Mit Beginn der arabischen Herrschaft unter Omar (637) änderte sich,