Geschichtliche Entwicklung der Krankenpflege. 13
Der Mutterkornbrand (Antoniusfeuer, heiliges Feuer) veranlasste ebenfalls Grün-dungen, so im Jahre 1093 in Vienne ein Hospital mit dem die St. -Antonius-Brüder-' schaft sich verband..
Die Begründung der Krankenpflege im Mittelalter, soweit die Än-stältspflege und mit ihr eine ärztlich geleitete und geschulte Behandlungder Erkrankten in Frage kommt, ist mit dem Namen des PapstesInnocenz III. eng verknüpft. Dieser organisirte durch die Bulla interopera pietatis die gcsammte Wohlthätigkeit und die Genossenschaftender Hospitaliter, die mit den bestehenden und neubegründeten Kranken-anstalten verbunden waren.
Im Jahre 1204 schuf er aus der alten von Ina begründeten Sachsenschule, derenKirche und Liegenschaften noch vorhanden waren, wahrend die Herbergcgebäudelängst verbrannt und verfallen waren, ein Hospital (Krankenhaus) und stellte denStifter des Krankenpflegeordens vom heiligen Geist: „Guy (de Montpellier)" an dieSpitze; von diesem Hospital San Spirito in Sassia ging eine ausserordentliche Ent-wickelnng des Krankenhauswesens aus. Ueberall wurden grössere Spitäler erbaut, die- sschon nicht mehrGasthäuser oder Herbergen, sondern wirkliche Siechen- undKranken-liäuser waren. Im Laufe des XIII. Jahrhunderts erhielt fast jede grössere Stadt und einegrosse Zahl kleiner Städte ihr heilig Geistspital meist mit einer gleichnamigen Kirche. '
Anfänglich übernahm man ältere Spitäler, wie z. ß. das in Freiburg um 1120-schon bestehende und das schon 1010 in Memmingen gestiftete, auch,,Elendherbergen",oder erbaute nach deren Art Spitäler „extra muros", so in Hamburg, Stettin, Span-dau, Perleberg, Salzwedel, Sangerhausen, Naumburg, Quedlinburg, "Würzburg, Augs-burg, Straubing, Bern, dann aber auch „intra moenia" als Wohlthätigkeitsanstalten fürdie Stadtgomeinde selbst und nicht mehr in erster Linie für die Pilger und Heimath-losen. Einige dieser Anstalten zum heiligen Geist wuchsen im Laufe der Jahrhunderteausserordentlich und gingen verbessert in die neue Zeit über, so in Frankfurt, Lübeck,Würzburg, Bern, "Wien. Sie sind die eigentlichen Anfänge unseres modernen Kranken-liatiswesens. Das älteste in Deutschland bekannte Heilige Geistspital ist das vonBrandenburg, das schon 1204 erwähnt wird, dann Zürich 1207, Halberstadt und Wien1'209, Spandau und Breslau 1214. Das nachstehende ausführliche Verzeichniss istVirchow entnommen 1 ):
Zürich 1207, St. Gallen 1228, Bern 1233, Basel 1265. —
Konstanz 1225, Villingen 1257, Pfullcndorf 1275 (wird schon im XII. Jahr-hundert erwähnt), Freiburgi.Br. 1297 (gegr. 1120), Breisach 1297 (schon im XII. Jahr-hundert),. Meersburg (XIII. Jahrhundert), Pforzheim 1322, Ueberlingcn 1363 (schonim XII. Jahrhundert erwähnt), Rudolfzell 1386, Waldshut 1411. — Stcphansfeldcn1220, Oppenheim 1230, Mainz 1236, Speier 1272, Niederingclheim 1422. — Koblenz t/1238, Köln 1286, Krefeld 1291, St. Goar 1344, Meyen 1355, Ulm 1240, Bieberach,Rothenburg a. N., Kirchheim, Mergentheim 1258, "Wimpfen und Reutlingen 1291,Markgröningen 1322. — Memmingen 1223 (gegr. 1010), Augsburg 1252, Rothenburga. Tauber 1281, München 1291, Würzburg 1319, Nürnberg 1331, Melchrichstadt undWeilheim 1349, Aub 1355, Passau, Straubing und Dinkelsbühl 1358, Eichstädt 1451.
Frankfurt a. M. 1278, Limburg a. d. L. und Fritzlar 1358. — Höxter 1218,Dortmund 1280.
Brandenburg 1204, Spandau 1214, Salzwedel 1231, Stendal 1251, Berlin 1278(1272?), Perleberg 1299, Pritzwalk 1300, Wittstock 1309, Werben 1313, Gardelegen
- 1 ) Die Jahreszahl hinter dem Namen bedeutet die Gründung des heilig Geist-spitals oder die Umwandlung eines älteren Spitals in ein heilig Geistspital.