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1 (1899)
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10 Dietrich,

meinde für ihre Armen sorgen solle, und erklärte die Hospitäler etc. für königlicheStiftungen, die er durch besondere Beamte (missi dominici) von Zeit zu Zeit inspi-ciren liess. Später kamen diese Anstalten in geistliche Verwaltung, jedoch sehr zuihrem Naohtheil, so dass Clemens V. sie wieder Laien unterstellte. Unter Heinrich III.von Prankreich wurden sogar Geistliche, Adelige und Beamte ausdrücklich von derVerwaltung der Wohlthätigkeitsanstalten ausgeschlossen, da man die Ausschreitungenjener bekämpfen wollte.

Unter den ältesten Xenodochien des Mittelalters ist zu erwähnen das vom Bi-schof Masona in Merida im Jahre 580 gestiftete, das nach der Schilderung des PaulusDiaconus Emeritensis eins der grössten gewesen sein soll. Ferner das von Childebert I.und seiner Gemahlin Ultrogotha auf Veranlassung des Bischofs Sacerdos in Lyon542 gestiftete, das 700 Jahre lang unter der Aufsicht von Laien stand und erst imJahre 1308 der Geistlichkeit übergeben wurde. Im 7. Jahrhundert entstanden auchdie Hospitäler (Xenodochien) in Rheims und Autun, sowie das Hotel dien in Paris,das ums Jahr 660 gegründet worden sein soll, aber erst im Jahre 829 als Hospiz ge-nannt wird. Im Jahre 777 wird in Mailand das Hospital des Todone und 787 dasFindelhaus des Dateo erwähnt, ferner das später zu grosser Blüthe sich entwickelndeHospital Maria santa Maria della scala de Siena, die Stiftung des frommen Soror{geb. 832), der zugleich einen Hospitaliter- und Hospitaliterinnenorden gründete,und diesen, sowie das Hospital zu hohem Ansehen brachte. Erwähnenswerth sindauch die Stiftungen der Stadt Lucca. Dort gründeten im Jahre 718 unter der Re-gierung König Liutprands fromme Bürger eine Kirche zu Ehren des heiligen Syl-vester nebst einem Xenodochium und einem Bade. Aehnliche Stiftungen entstandendort in den Jahren 721, 757 und 847.

Im christlichen Morgenlande war das berühmteste Xenodochium das von KaiserAlexius f. (10811118) in Konstantinopel errichteteOrphanolropheion" (Waisen-haus"). Nach anderer Auffassung wollte Alexius mit seinenWaisen" alle Hilfs-bedürftigen bezeichnen. In der That war die Anstalt nach Art derBasilias" inCaesarea, wie eine Stadt um die Paulskirche erbaut und bewohnt von etwa 10000 Hilfs-bedürftigen jeden Alters', jeder Religion und jeder Abstammung. Die Pflege derKranken lag zunächst allein den Geistlichen ob, doch betheiligten sich später dievornehmsten Personen, z. B. Anna Comnena, die Tochter des Alexius, die selbsthevorragende medicinische Kenntnisse besass, sowie Kaiser Manuel der Komnene.Käne ähnliche Stiftung war das von Kaiser Isaak II. (11851195) in Konstantinopelgegründete Hospital der40 Märtyrer".

Das berühmte Xenodochium oder Hospital von Albrae in Prankreich, auf derGrenze dreier Provinzen (Guienne, Languedoc und Auvergne) gelegen, wurde umsJahr 1120 von Alard, Vicomte von Flandern, gegründet, zum Andenken ah einenglücklich zurückgeschlagenen Räuberangriff, von dem er auf der Rückkehr von einerPilgerfahrt in jener rauhen einsamen Gebirgsgegend überrascht wurde. Diese Anstaltgiebt ein Beispiel für die Vielseitigkeit eines Xenodochiums der damaligen Zeit. Sieenthielt 5 Klassen von Bewohnern: 1. Priester, 2. Ritter, um die Pilger zu geleitenund die Räuber zu vertilgen, 3. Kleriker und Laienbrüder für den Dienst des Hospi-tals und der Armen, 4. Knechte (donnes) ebenfalls für den Dienst des Hospitals undden Anbau der Felder, 5. Schwestern (dames de qualite) nebst Mägden zur Pflegeder Pilger, Kranken und Gebrechlichen. Durch die mit der Zeit angewachsenenReichthümer der Stiftung waren die Mitglieder später nur noch darauf bedacht, ihrLoben so angenehm wie möglich zu gestalten, so dass die eigentliche Bestimmungder Anstalt im Jahre 1697, als das Hospital mit vielen anderen gesetzlich aufgehobenwurde, schon seit langer Zeit nicht mehr erfüllt worden war.