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1 (1899)
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Geschichtliche Entwicklung der Krankenpflege. 9

Auf diese Weise ist die Geschichte der Krankenpflege des Mittel-alters eng verknüpft mit der Geschichte der geistlichen und weltlichenKrankenpflege-Genossenschaften.

a) Hospize, Xenodochien.

Eigentliche Krankenanstalten, d. h. Gebäude und Einrichtungen, diedie Heilung der aufgenommenen Kranken bezweckten, gab es zunächstnur ganz vereinzelt im Morgenlande, im Abendlande jedoch (nach Mu-ratori) vor den Zeiten Karls des Grossen überhaupt nicht. Dafür ent-wickelten sich die Hospize als kleinere Anstalten zur Beherbergung vonPilgern und hilfsbedürftigen Reisenden und die Xenodochien als grosseWohlthätigkeitsanstalten allgemeineren Zweckes und grosser Vielseitigkeitzur höchsten Blüthe.

Die Hospize in den Alpen werden schon zur Zeit desPabstesIIadriansI. (v.772 bis795) erwähnt als Einrichtungen, die unter dem besonderen Schutz des Kaisers standen.825 gründete Ludwig der Fromme auf dem Mont Cenis und 962 der heilige Bernhardauf einem bis dahin dem Jupiter geweihten Passe der Schweiz ein Hospiz. Nach demGründer Bernhard Mcnthon, einem savoischen Edlen, wurde der ganze Passdergrosse Sanct Bernhard" genannt. Das Hospizkloster wurde auf den Trümmern einerchristlichen Kapelle aufgebaut, die Kaiser Konstantin an Stelle des alten Jupiter-tempels daselbst hatte errichten lassen. Die Insassen gehörten und gehören nochjetzt zu den Chorherren der regulirten Augustiner. Die vom Hospiz geübte grenzen-lose Gastfreundschaft und aufopfernde Pflege Verunglückter, die mittelst der beson-deren Rasse der Bernhardinerhunde aufgesucht wurden, ist allbekannt." 1160 gründeteder steirische Markgraf Ottokar VII. in Zerenwalde am Semmering ein Hospiz, in demauch Kranke verpflegt wurden.

Von den für einzelne Völkerstämme gestifteten Hospizen ist das angelsächsischein Rom eins der älteren. Es wurde im Jahre 718 von Ina, dem König der Angel-sachsen, der sich nach seiner Abdankung nach Rom zurückgezogen hatte, im An-schluss an eine drei Jahre vorher erbaute Kirche gegründet für die angelsächsischenPilger, und enthielt ausser einer Herberge, auch eine Schule und Krankenräume. KönigOffa vergrösserte die Stiftungen im Jahre 796. Im Jahre 817 brannte der Gebäude-complex zum Theil, 847 vollständig nieder. Hospize errichteten Schotten und Irländcrin Frankreich für ihre nach Rom pilgernden Stammesgenossen. Stephan L, Herzogvon Ungarn, erbaute in Rom und Konstantinopel Hospize für seine Landsleute.Im Jahre 1094 gründete Robert, Graf von Flandern, in Rom ein Krankenhospizfür die Flamländer. Später unter Sixtus VI. (14711484) gründeten Lombardenein ähnliches Hospiz für ihre Landsleute. In Rom waren ausserdem seit 1350 fürLucchesen, Bergamasken und Portugiesen, seit 1430 für Spanier ähnliche Anstaltenvorhanden.

Noch im Jahre 1348 wurde in Rom ein Ospizio e archiosp.edale della santissimaTrinitä de pellegrini-e-convalescenti nebst einer Brüderschaft von Filippo Neri ge-gründet, damit während der Jubeljahre die Pilger, für deren Zahl die vorhandenenKlöster und Hospize nicht ausreichten, drei Tage lang verpflegt werden könnten.

Ueber die Hospize, Nenodochien und ähnliche Anstalten kommen beachtens-werthe Bestimmungen schon seit dem 6. Jahrhundert in den longobardischen und frän-kischen Gesetzen vor. Karl der Grosse bestimmte, dass sie cum consilio episcopigeleitet werden sollten. Er verordnete ferner in seinem Gesetzbuch, dass jede Ge-