Druckschrift 
1 (1899)
Entstehung
Seite
7
Einzelbild herunterladen
 

Geschichtliche Entwicklung der Krankenpflege. 7

gegründet, verirrten und erkrankten Pilgern Hilfe angedeihen zu lassen, namentlichin Gebirgen, an schwierigen Flussübergängen, an den Eingängen der Wüsten. Zuden wichtigsten Pflichten der Mönche des Berges Karmel gehörte die Ausrottung derwilden Thierc, die das Leben der Pilger bedrohten. Besondere Beamte oder Brüderdes Hospizes waren dazu bestimmt, die Hilfsbedürftigen im Umkreis der Anstalt auf-zusuchen und heranzuführen, das waren die Ductores oder parapempontes oder para-balani (parabolani) der ältesten christlichen Kirche. Sie waren in den grössten Xeno-dochien von Cäsarea, Merida und Alexandrien nicht allein dazu da, auf einsamenStrassen und von ausserhalb, sondern auch in den Winkeln der grossen Städte selbstdie Kranken und Hilfsbedürftigen aufzusuchen und heranzuziehen. Nach Art derStadtmissionare, Diakonen und Samariter der Neuzeit mussten sie die erste und augen-blickliche Hilfe selbst leisten, daher auch einen grösseren Unterricht genossen habenund mit Rettungsapparaten, Verbandzeug, Heilmitteln etc. versehen sein. Dadurchwurden sie zu ärztlichen Pfuschern, die beim Proletariat in hohem Ansehen standen.Durch den fortgesetzten Umgang mit den niedrigsten Schichten des Volkes verrohten .und entarteten sie, bis sie schliesslich nur noch eine Art handfester Leibwächter undSchergen für die Bischöfe und Klostervorsteher wurden. Cyrillus, Bischof von Alexan-drien, ebenso bekehrungswüthend wie beulegierig, liess durch seine Parabalanen undMönche im Jahre 415 eine Judenverfolgung in Scene setzen und unter Anderen auchdie gelehrte und reiche Jüdin Hypatia erschlagen. Der Kaiser Theodosius erliess inFolge dessen das Gesetz (Cod. Theodosi. üb. XVI. tit. 11. de episcopis et clericisüb. 42), dass die Parabalani im Höchstfall 500 in einer Stadt sein sollten, dass sieaus den Theatern, Gerichtssälen etc. verbannt würden und die Käuflichkeit der Stellenabgeschafft werde. Freilich setzte es Cyrillus schon im Jahre 41$ wieder durch, dassdurch ein anderes Gesetz (tit. H. üb. 43) die Zahl der Parabalani bis auf G00 ver-mehrt wurde. Unter Cyrillus Nachfolger, Dioscoros, waren diese Parabalani nur nochLeibwache und Mordgesellen des Bischofs, der z. B. durch sie das ganze Concil inFphesus (449) tyrannisirte, so dass es beschliessen musste, was er beantragte. DieParabalani verschwinden sehr bald wieder aus der Geschichte. Aehnliche Verbrü-derungen bestehen noch jetzt in den römischen Genossenschaften della perseveranzaund della morte e orazione, die die Hilfsbedürftigen in den Herbergen aufsuchen, siezu den Hospitälern bringen und die Todten aus der Campagna oft aus weiter Ferneherbeiholen, um sie in Rom zu bestatten.

Bemerkenswerthe Gründungen jener Zeit sind noch die der Fabiola, einesAbkömmlings aus dem alten und reichen Geschlecht der Fabier, die aus Rehe übereine zweite, nach der Trennung von ihrem ersten ehebrecherischen Gemahl eingegan-gene Ehe in Rom ein Nosocomium erbaute und die Leidenden nach dem Bericht desli eiligen Hieronymus (j 420) selbst darin pflegte. Später gründete sie in Ostia (inportu Romano) im Verein mit einem ihr gleichgesinnten Römer und Priester, demWittwer Pammachius, ein Xenodochium, das wahrscheinlich auch nicht nur dazu be-stimmt war, Pilger zu beherbergen, sondern auch Erkrankten die nöthige Pflege an-gedeihen zu lassen. Hieronymus selbst gründete ein Hospital in Bethlehem, seineSchülerin Paula mehrere Xenodochicn an der Strasse nach Bethlehem. Zur Zeit desPalladius, der 401 Bischof in llellenopolis (Bitthynien) war, befand sich in den Ge-birgen Xitriens ein Hospital, auch legten die Mönche in jenen Wüsten und unwirth-baren Gegenden Toll- und Irrenhäuser an.

Edle Frauen aus den Geschlechtern der Fabier, Emilier und Scipionen folgtendem Beispiel der Fabiola und gründeten in Jerusalem Xenodochien und Xosocnmien.Ums Jahr 400 stifteten in Rom unter der Regierung des Arkadius und Honorius diebeiden Patrizier, Florentius und Dexicrates, Anstalten für Kranke. Aus dem 5. Jahr-hundert sind noch die Stiftungen durch die Päbsto Symmachus, Zacharias, Sergius