Geschichtliche Entwicklung der Krankenpflege. 5
Diakonen der christlichen Kirche. Ihnen lag die Pflicht ob, neben der Leitung undBesorgung der gottesdienstlichen Veranstaltungen als Lehrer zu wirken und für dieArmen und Kranken Sorge zu tragen, sie wurden dabei von ihren Angehörigen, imbesonderen von den Frauen unterstützt. Die Apostel selbst richteten das Amt derDiakonie zuerst in der Gemeinde zu Jerusalem durch Bestellung von 7 Männern alsDiakonen ein (Apostelgesch. 6). Auch einzelstehende Frauen wurden zur Liebesthätig-keit herangezogen, so rühmt Paulus die Phoebe, die Diakonin der Gemeinde Ken-chrea, in ihrer Wirksamkeit (Römer 16, 1—2). Wenn auch die Diakonen zunächstgottesdienstliche Aufgaben zu erledigen hatten und vielleicht auch die ersten Dia-koninnen in der Hauptsache weibliche Gottesdiensthelferinnen waren, so ist aus derEmpfehlung.der Phoebe, die Vielen Beistand gethan habe, auch dem Paulus selbst,nicht allein auf den kirchlichen und gottesdienstlichen Beistand zu schliesscn, son-dern auch auf die Pflege der Bedürftigen, Almosenvertheilung und den Dienst anden Armen und Gebrechlichen. Dasselbe gilt von den ancillae, quae ministrae dice-bantur, die der jüngere Plinius, Statthalter von Bitthynien, ums Jahr 104 p. Chr.erwähnt als Christinnen, die besondere Beachtung verdienen wegen der auf der Foltererwiesenen Hartnäckigkeit ihrer Weigerung, den christlichen Glauben zu verleugnen.Diese Diakoninuen waren ehelos, während schon in der frühesten Zeit der christlichenKirche auch die Wittwen überall da, wo die Diakonen, deren Angehörige und dieweiblichen Diakonen nicht ausreichten, ans Dankbarkeit für die ihnen von der Kirchen-gemeinde geleistete Hilfe in der Armen- und Krankenpflege mitarbeiteten, wie esspäter der heilige Hieronymus ihnen ausdrücklich vorschrieb. Aus ihnen bildete sichnach und nach eine eigene Körperschaft (viduitas), deren Mitglieder das 60. Jahr er-reicht, ihre Kinder oder Pflegekinder gut erzogen und sich durch Frömmigkeit undgute Werke hervorgethan haben mussten. Diese Frauen nannte man Diakonissen;sie hatten wohl zunächst nichts mit dem Gottesdienst, sondern nur mit der Armen-und Krankenpflege zu thun, während sie im Laufe der Zeit an Stelle der weiblichenDiakonen auch zur Unterstützung derüottesdienste (BewachungdesKircheneingangsfürdie Frauen, damit keine Unberufene eindringe, Hilfeleistung beim Austheilen desAbendmahls und Anderes) herangezogen wurden. Später nahmman auch jüngereWittwen,dann Frauen und Mädchen in die Viduitas der Diakonissen auf, die vornehm-sten Frauen, selbst Kaiserinnen bewarben sich um die Mitgliedschaft. Unter demBischof Johannes Chrysostomus in Konstantinopel (um 400 p. Chr.) erreichte das altechristliche Diakonissenthum seine höchste Blüthe, dem Bischof standen 40 Gemeinde-diakonissen zur Seite, von denen die hervorragendste die aus vornehmer Familiestammende junge Wittwe Olympias war. Gegen 600 p. Chr. erbaute der Patriarchvon Konstantinopel, Cyriacus, ein Gevatter des Kaisers Mauritius, eine Kirche, die erzu Ehren seiner Schwester, einer Diakonisse, „die Kirche der Diakonissen" nannte.Dieselbe steht noch heute als türkische Moschee neben dem vorletzten Bogen der ver-fallenen Wasserleitung des Kaisers Valens.
Das Amt der Kranken- und Armenpflege in der Gemeinde reichte im Laufe derJahrhunderte nicht mehr aus, um die immer steigenden Bedürfnisse und Nachfragenzu erfüllen. Die Pflege der Kranken in eigens dazu hergestellten Anstalten verdrängteallmählich die Gemeindepflego und mit ihr die Diakonissen, die vom 8. Jahrhundertan im Orient nicht mehr erwähnt werden. Im Abendland scheinen sie überhaupt nichtvorhanden gewesen zu sein.
Das Amt der Diakonen, die sich namentlich in den Jahren der zyprianischenPest durch ihre Pflichttreue und aufopfernde Pflege der Kranken einen unsterblichenKamen gemacht haben, trat von der Gemeindepflege ganz zurück, zum Theil ent-arteten die Diakonen in Uebermuth und Laster, zum Theil wurden sie den sich nunimmer mehr ausbildenden, aus wohlthätigen oder öffentlichen Fonds gegründeten