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1 (1899)
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Geschichtliche Entwicklung der Krankenpflege. 3

Alles, was der Einzelne oder die Gesammthcit der Gemeinde und desganzen Volkes that, geschah nur im eigenen Interesse. Wohl wurde dieliberalitas als gut und edel gepriesen, aber alle Schenkungen für dieGemeinde, den Staat oder die Armen und Gebrechlichen dienten nurdazu, dem Namen des Schenkers den gewünschten Glanz zu verleihen.Was aus dem Armen wurde, den der um die Volksgunst buhlende, reicheRömer beschenkte, war nicht von Werth, wenn nur die Stellung undFamilie des Gebers den Ruhm der That erntete. Plautus kennzeichnetdiesen egoistischen und kaltberechnenden Sinn in seinem Trinummus(Act. II, Scene 2):Um den Bettler macht sich schlecht verdient, werihm zu essen und zu trinken giebt, denn was er giebt, ist verloren, unddem Armen verlängert er nur sein Leben zu seinem Elende". Ebensohielt man es unter der Würde eines verständigen. Mannes, einem unheil-baren Kranken zu helfen.

Der Vater hatte das Recht, sein neugeborenes Kind auszusetzenoder zu tödten. Dagegen lag die Erhaltung der Gesundheit und Körper-kraft der Sklaven und Gladiatoren ebenso im Interesse des Eigenthümers,wie die Wiederherstellung kranker Soldaten im Interesse des Staates.Es gab daher für diese drei Gruppen auch schon in der vorchristlichen.Zeit bei den Römern gewisse Einrichtungen der Krankenfürsorge, im be-.sondern Einrichtungen, die unsern Krankenanstalten schon sehr ähnlichsind, die sog. Valetudinarien.

Die reichen Römer hatten Krankenhäuser für ihre . Landsklaven (Famüia

rusticana), die auf den Latifundien beschäftigt waren, und solche für ihre Stadt-sklaven (Familia urbana). Es waren dies Anstalten, in denen die Erkrankten oderdurch die Arbeit Erschöpften bis zur Wiederherstellung ihrer Erwerbsfähigkeit be-handelt und verpflegt wurden, Anstalten des materiellen Interesses des Eigenthümersund nicht des Erbarmens. Die Familia rusticana gab z. B. dem Celsus Gelegenheit,in dem dazu gehörigen Valetudinarium seine Vorliebe für die Medicin praktisch zubethätigen und seine medicinischen Kenntnisse zu verwerthen. Aehnlich war es mitden Gladiatoren, denen man auch besondere Aerzte für die Vormittagskämpfe mit denwilden Thieren, die Medici ludi matutini hielt.

Das römische Militärmedicinalwesen erfreute sich der besonderen Vorliebe und'Gunst der Feldherren, wie der Caesaren. Schwerkranke Soldaten wurden in früherer.Zeit der Pflege angesehener Familien und ehrbarer Matronen übergeben, denen man, dieKranken mochten genesen oder nicht, ihre Auslagen zurückerstattete. Einzelnen Feld-herrn wurde besonders nachgerühmt, dass sie die verwundeten Soldaten in ihrenPflegschaften besuchten, so dem Germanicus, Trajan, Alexander Severus. Die un-serem Krankenhaus oder Militärlazareth entsprechenden Valetudinaria castrorumreichen bis in die Zeit des Augustus zurück. Sichere Nachrichten über dieselben, wieüber die Krankenställe für die Pferde (veterinaria) finden sich erst bei Hyginus(96138 p. Chr.), einem bei der Castrometatio (= Intendantur) angestellten Be-amten. Valetudinarien wurden errichtet, sobald 5 6 Legionen beisammen waren.Sie lagen links, die Veterinarien und die Schmiede rechts von dem durch die Portapraetoria gebildeten Eingang.Die Valetudinarien sowohl wie Veterinarien sollen je<>0 Fuss lang und breit und hinreichend weit von einander entfernt sein, um Beun-ruhigungen der Kranken durch die geräuschvolle Arbeit der Schmiede zu verhüten,-iede der beiden Anstalten soll einem für 200 Mann bestimmten Lagerraum entsprechen.

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