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mer, Gebrechlicher, Bettler etc. gewesen zu sein, denen im Bedarfsfall auch Kranken-behandlung zu Theil wurde. So berichten die Annalen von Kaschmir, der KönigMeghaväna (24 p. Chr.) habe ein Agraharam (Kloster) erbaut. Eine seiner Frauen,Annitaprabba, habe ein hohes Vihara (Haus) für die Bettler des Landes errichtet.L6, der Guru (Berather) des Vaters dieser Frau, sei dann aus einer entfernten Provinzdes Landes gekommen und habe die Annitaprabba durch seinen beredten Zuspruchdas grosse Spital zu Sossani (die Stupa für Elende) zu bauen veranlasst.
Selbst das Judenthum, dessen Religion die Barmherzigkeit (wenigstens gegendie Stammesgenossen) als ein Zeichen des Gerechten lehrt (Psalm 37,26. 41,1. 112,0u. a.) und gebietet (3. Mose 19,17): „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dichselbst, denn, ich bin der Herr", kennt die Pflege der Kranken nicht. "Wenn Kasselauf Grund von 2. Kön. 15,5 und 2. Chron 26,21 glaubte, der (am Aussatz) erkrankteKönig Usia (792—740 v. Chr.) habe den Rest seines Lebens in einem Krankenhausezugebracht, der Ausdruck „Bet ha chofschit" sei von Luther fälschlich mit „beson-derem.Hause" übersetzt, so ist von Virchow dagegen hervorgehoben worden, dassjenes Haus nur ein Aussatzhaus gewesen ist, d. h. ein Isolirhaus, das durch diePriester nicht zum Zwecke der Krankenpflege; sondern zum Zwecke der Feststellungdes Aussatzes besucht wurde.
Bethesda, das Haus der Barmherzigkeit in Jerusalem, war ferner nur dazu erbaut,dass die Kranken mit Ruhe und Bequemlichkeit die Zeit abwarten konnten, wo dieder Heilung günstige Bewegung des Wassers zum Gebrauch des heilbringenden Badesund zum Hinabsteigen in den Teich aufforderte.
Auch die Tempel des Asklepios (Asklepieiai), in denen die Priester- undAerzteinnung der Asklepiaden die Kranken berieth, und die von Kranken undderen Abgesandten im zweiten und ersten Jahrtausend a. Chr. n. zur sy/.oipijGic(incubatio, Schlafen am Fusse der Asklepiosstatue zum Zwecke der Heilung) und zurConsultätion schaaren weise aufgesucht wurden, können nicht als Krankenhäuser gedeutetwerden ebensowenig wie die in der Nähe des Tempels erbauten Herbergen, die fürdie Hilfesuchenden (Ixstcci) und die Diener des Tempels (rot) -9-fov dovloi) herge-richtet waren, wie sie z. B. Pausanias für den Tempel in Tithorea erwähnt. —NachAlbu Said Mansür Ben Isra soll Hippokrates (geb. 460, gest. 377 a. Chr.), Sohn desHeraklides, der erste gewesen sein, der ein Hospital anlegte. Dieser berühmtesteAsklepiade und Arzt des Alterthums bestimmte angeblich an einer Stelle eines in derNähe seines Wohnhauses befindlichen Gartens einen besonderen Platz für die Kranken-anstalt, stellte Diener an, die für die Heilung sorgten und gab der Anstalt den Namen„Xenodochium". Schon der Name besagt, dass jener Platz in erster Linie dazu diente,den Fremden, die den Hippokrates consultiren wollten, Unterkunft zu geben, abernicht zur Behandlung ihrer Krankheit.
Antoninus Pins errichtete wohl in Epidaurus ein eigenes Gebär- und Sterbehausneben der Asklepieia für die hilfesuchenden schwangeren Frauen, die beim Tempelvon ihrer Stunde überrascht wurden, und für die Kranken, die sterbend zum Tempelkamen, doch wurden hier die Kranken weder behandelt noch verpflegt. Auch derauf der Tiberinsel bei Rom befindliche Tempel des Aeskulap, der von den Krankenaufgesucht worden sein soll, war nur eine Badeanstalt mit Poliklinik.
Vergegenwärtigen wir uns die Weltanschauung, die das klassischeAlterthum beherrschte, so wird uns ohne Weiteres klar, dass selbst inder höchsten Kulturentwicklung der Griechen und Römer die Krankenpflegekeine wesentliche Entwicklung oder Förderung gewinnen konnte. Da dasLeben für die Gegenwart der Grundcharaktcr den griechischen und rö-mischen AVeltanschauung darstellte, war der Egoismus Lebensprincip.