Druckschrift 
2 (1928)
Entstehung
Seite
51
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DREYER

streit" von der Regierung gemaßregelt worden. Ihm war es beschie-den, in seiner nur kurz bemessenen Wirksamkeit die Verwirrungauf dem Gebiete der Theaterzensur ins Grandiose zu steigern. DemDreyerschen Stück „Eine" gegenüber, das ihm am i. September 1900vorgelegt wurde, verhielt er sich aber überraschend milde, er gabihm sogar eine gute Note, seine Tendenz, so erklärte er am 17. Ok-tober, laufe „unverkennbar darauf hinaus, das Törichte der von denWiedertäufern eingeführten Vielweiberei zu zeigen und als das einzigVernünftige die Ehe mit der ,Einen' darzutun". Allerdings hatte HerrDumrath unterdes erfahren, daß dieses unanständige Stück, das seinVorgänger nur „mit erheblichen Streichungen" hatte passieren lassen,schon vor vier Jahren (17. November 1896) auf einer Bühne auf-geführt worden war, die ihre eigene Zensurpraxis besaß und demPolizeipräsidium nicht unterstand — auf dem Berliner KöniglichenSchauspielhaus! Und 1899 hatte sich sogar ein Sommertheater inBreslau daran versucht, ohne daß die dortige Polizei dreingeredethätte. Daraufhin sträubte sich nun endlich die Berliner Polizei nichtweiter und gab Dreyers „Eine" frei.

Im selben Jahr 1898 hatte sich der Berliner Zensor mit Dreyers,£iiebasbräumen" zu befassen, einem Einakter, in dem eine von desDichters scharfen Landdamen einem Schürzenjäger, der ihr einenEheantrag macht, aber gleichzeitig mit ihrer Nichte und dem Kam-merkätzchen flirtet, mit der Reitpeitsche den Laufpaß gibt. DasKammerkätzchen will am nächsten Tag ziehen. „Da müssen wir unsheut' abend noch hübsch Adieu sagen", erklärt der Schwerennöter.Heute abend? Das erweckte böse Gedanken — der Zensor strich es.„Er nimmt sie auf den Schoß", heißt es dann weiter — auch dasmußte fortfallen. „Du kommst nachher in den Garten." „In'n Gar-ten?" erwidert Anna. „Was soll ich da woll?" Auch diese Frage er-schien dem Zensor zu schlüpfrig, sie mußte fallen.

Noch ein drittes Stück Dreyers lag 1898 der Zensur vor: „Gross-mama", ein „Junggesellenschwank" — schon bedenklich! „DeinWanst ist soziale Unverschämtheit", sagt einer dieser Junggesellenzum andern. Das Wort „sozial" wurde gestrichen und ebenso dieganze weitere Unterhaltung über diesen unsozialen Bauch. „GeprüfteJungfer! Das ist eine neue Spezies dieses verruchten Geschlechts!"knurrt der Weiberhasser unter jenen Junggesellen. „Geprüfte Jung-ler " — ein Ausdruck aus dem Inseratenteil jeder Tageszeitung —wurde als unsittlich erklärt, und die ganze Stelle mußte fallen; in einerspätem Reichstagssitzung (3. Januar 1901) erklärte GeheimratWerner vom Reichsamt des Innern diese „geprüfte Jungfer" gerade-zu für eine „Schweinerei"!

Die nächsten Dramen Dreyers kamen völlig ungerupft durch dieBerliner Zensur. Darunter der „Probekandidat". Der Lektor Busse

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