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alle drei hinaus; dafür flüchtet seine wahre Geliebte zu ihm, diesich den gewaltsamen Anträgen der Bauernlümmel versagt hat undmit Galgen und Rad bedroht ist. — Ein Stoff also recht nach demHerzen des Zensors; die Ausführung war durchaus dezent gehalten,übermütiger Humor half über bedenkliche Situationen hinweg, undder dem Stoff gemäße volkstümliche Reimvers vergoldete noch dasderbste Metall. Am i. Juli 1898 wurde dieses Stück vom Lessing-theater (Direktion Neumann-Hof er) dem Berliner Polizeipräsidium(Abteilung Theater) zur Genehmigung vorgelegt; nach zehn Tagenkam das Manuskript wieder zurück, aber in einem Zustand, der diebeabsichtigte Aufführung völlig unmöglich machte. Die Pointe desGanzen, die Nachtlagerszene im 2. Akt, war vollständig gestrichen,aber auch in vielen Einzelheiten hatte der Zensor ein Zartgefühlbewiesen, das einer alten, verstaubten Stiftsdame alle Ehre machte.Manches erinnerte an die Zensurstriche des österreichischen Zensorsv. Haager zu Ende des achtzehnten Jahrhunderts. Die drei Weiber,die sich zu einer Ehe zu viert zusammenfinden, sind sich spinnefeind;
die eine charakterisiert die andere: „Dick, dumm und selig" __ die
zwei letzten Worte waren beanstandet! Ein so moralischer Vers wie:„Freilich, nicht jeder darf jede erhaschen, Jede darf nicht mit jedemnaschen" sollte fortfallen; die Wendung „um des Fleisches willen"empfand der zensorale Vegetarianer als obszön, und wenn der Lands-knecht Frieder seine Liebste locken will: „Hat dir der Eine bislanggefehlt, Dem deine Sinne entgegenreifen", so strich der Zensor dieseZeilen samt ihrer Begründung. Er säuberte sogar die Regiebemerkun-gen; Frieder durfte am Schlüsse des 2. Aktes die jüngste der dreiandern Weiber nicht huckepack von der Bühne tragen und, daheimangelangt, zwar angesichts der dreifachen Bescherung für die kom-mende Nacht sich zwar bedenklich hinterm Ohr krauen, aber nicht„verlegen vor sich hin pusten". Und selbstverständlich war jedeAndeutung der immerhin schwierigen Aufgabe des dreifachen Ehe-mannes vom Stift des Zensors beseitigt. — Das Lessingtheater sahdaher zunächst von einer Darstellung ab, kam aber zwei Jahre späterdarauf zurück. Seit dem 1. August 1900 hatte das Berliner Polizei-präsidium in seiner Abteilung I (Politische Polizei) eine besondereUnterabteilung für Theaterwesen eingerichtet; der seit 2. September1899 amtierende Innenminister v. Rheinbaben wollte, so versicherteGeheimrat Kruse vom Preußischen Innenministerium im Reichstag,versuchen, die Zensur „möglichst guten Händen" anzuvertrauen,um sich vor den schon sprichwörtlich gewordenen Niederlagenzu bewahren. Diese guten Hände sollte der neuernannte Dezernentjener Unterabteilung besitzen, ein Regierungsrat des ominiösenNamens Dumrath, auf den der Berliner Witz gerade gewartet hatte-Dumrath war ehedem Landrat in Westpreußen und in dem Kanal-