Druckschrift 
2 (1928)
Entstehung
Seite
49
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49 DREYER

Blick und krempelt ingrimmig-vergnügt die Ärmel hoch, um denKampf mit ihr aufzunehmen. Titanen sind in Dreyers mecklenburgi-schem Heimatsmilieu nicht zu finden, ebensowenig abgründige Böse-wichten Sein Heldentypus ist der einfache, unbefangene, aufrechteMensch in allen Lebenslagen, der manchmal mit dem Kopf durch dieWand will, und dem nichts widerwärtiger ist als jedes Strebertum mitseiner Lüge und Feigheit. So wurde Dreyers größter Erfolg der„Probekandidat", das Drama der Uberzeugungstreue, ein „UrielAcosta" an der Schule (die auffallende Gleichheit des dramatischenGerüstes in diesen beiden Stücken ist offenbar dem Problem imma-nent). Dreyer blieb dabei nicht im Pathos stecken, der Satiriker setztezugleich mit wenigen Strichen von molierehafter Sparsamkeit Lehrer-typen auf die Bühne, die schwerlich veralten, denn das Geschlechtder „Pauker" wird nie aussterben, sonst sähe es ja auch mit demHumor in der Schule übel aus. Dreyer war nie ein Revolutionär undHimmelsstürmer, der in die Welt, sie einzurichten, kam. „Da lach' ichöwer." Er hegt eine stille Liebe für die moderne Frau, die selbständigihren Weg sucht; oft hat sie bei ihm etwas Dragonerhaftes an sich,sie stammt vom Lande, mit derben Knochen, hochgewachsen, undkann in der Landwirtschaft jeden Inspektor ersetzen, oder sie be-schämt in Kunst und Wissenschaft ihre männliche Umwelt; aber siehat doch immer ihre Achillesferse, die im entscheidenden MomentSchelm Amor selten verfehlt. Humor und Satire gleichen meist dieGegensätze aus. Die Mehrzahl von Dreyers Stücken sind Komödien.Er neigt zum Schwank und zur Burleske. Die Humore seiner Men-schen schmecken nicht selten nach Stammtisch, wo es auf eine Derbheitnicht ankommt und um der Derbheit willen auf die geistreiche Formauch wohl verzichtet wird. Mecklenburgische Landjunker pflegennun einmal nicht ihre Worte zu setzen wie Pariser Salonhelden, Derb-heit gehört hin und wieder zum Milieu, und daran konnte sich dieTheaterzensur, die in Dreyers erstem dramatischen Dezennium aufunbestrittener Höhe stand, am wenigsten gewöhnen.

Dreyers humoristischer Erstling war ein historischer Schwank„Eine" (1896), eine Satire auf die freie Liebe. Münster zur Zeit derWiedertäufer, Kommunismus und Vielweiberei. Die reichen Bauernwollen zwar von dem Grundsatz: „Was dein ist, ist mein" nichteben viel wissen, aber wenn es an die Verteilung der Mädchen geht,sind sie gierig dabei. Den Mädchen aber sticht, statt der altenKnacker, ein junger Landsknecht in die Augen, und plötzlich siehtsich der als glücklichen Besitzer dreier Bräute, die sich in seinerverfallenen Hütte häuslich niedergelassen. Aber der Dreifrauenhaus-halt führt nur zu Zank und Streit, und als sich bei Bereitung desnächtlichen Lagers entscheiden soll, wer als erste des Eheglücks ge-nießen soll, kommt es zu Tätlichkeiten. Der Landsknecht wirft sie