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nicht anders zu helfen wußten, so griffen sie nach einem Lustspielvon Deinhardstein. Aber selbst damit erlebte einmal der Intendantdes Karlsruher Hoftheaters, v. Auffenberg, eine böse Überraschung.Er hatte im Dezember 1846 Deinhardsteins Lustspiel „Zwei Tageaus dem Lehen eines Fürsten" einstudieren lassen; der Landtag wareröffnet, und während seiner Verhandlungen durfte beileibe nichtsgegeben werden, was nur irgend die politische Aufregung hätte nährenkönnen. Aber schon nach dem ersten Akt dieses unverfänglichenLustspiels ließ der Großherzog den Intendanten rufen und „ergoßüber ihn die ganze Schale seines Zornes", wie ein Konfident derösterreichischen Regierung am 2. Januar 1846 mit Behagen meldete.„Der Großherzog bemerkte, er sitze wie auf Nadeln in seiner Loge;wie er ein solches Stück während des Landtages geben könne; ob eres gelesen? Der Intendant wußte nicht, was er sagen sollte. Der Groß-herzog entließ ihn aber sehr ungnädig." Am folgenden Tag wurdedie Wiederholung verboten, und zwar, wie die „Allgemeine Theater-Chronik" (1846, Nr. 6) zu wissen glaubte, wegen einiger Ausfällegegen die Spielbanken, die ein politisch nur einigermaßen versierterln-tendant mit Rücksicht auf Baden-Baden unbedingt hätte streichen müs-sen. Preußen hatte damals beim Bundestag den Antrag gestellt, sämt-liche Spielhöllen zu beseitigen, undwarbereit, bei sich selbst mitAachenden Anfang zu machen. Gegen dieses Attentat auf eine unerschöpflicheGeldquelle hatte Baden mit Erfolg protestiert. Man durfte sich dochnicht auf der eigenen Hofbühne darüber die Leviten lesen lassen![„Grillparzers Gespräche", ges. und hrsg. von August Sauer. 1905.II, 362L, II, 141. 343. — „Komet" 1833, Nr. 176; _ Theodorv. Kobbe, „Humoristische Blätter", 2. Dez. 1841. — „Grenzboten1845" HI, 8 2; f-, ^ö III, 128. — Glossy, „Literar. Geheimberichte"II, 254. — Die ungedruckte Wiener Dissertation „J. L. Deinhard-stein" von Wilh. Treichlinger, 1926, war mir nicht erreichbar.]
DREYER, MAX (geb. 1862).
Max Dreyer brachte aus seiner mecklenburgischen Heimat einenguten Schuß urwüchsiger Frische mit, etwas Naturburschenhaftes,Farbiges, das auf der grauen Folie des konsequenten Naturalismusoft wie eine Erlösung wirkte und die Theaterbesucher erleichtertaufatmen ließ. Er gab sich auf der Bühne nie alsDämoniker, und wo erunerbittlich schien, fielen fremde Schatten in seine Biedermeierstube:Im „Winterschlaf", seinem zweiten Drama (1895), geistert HebbelsClara neben einer Miniaturausgabe von Hauptmanns Loth. DieseSünde wider das eigene Blut hat er später wieder gutgemacht in„Des Pfarrers Tochter zu Streladorf" (1909), das Drama wandeltsich zur Komödie: Hebbels Meister Anton versteht die Welt nichtmehr, Dreyers Pastor durchschaut sie mit klarem, überlegenem