Druckschrift 
2 (1928)
Entstehung
Seite
26
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BEURMANN 26

Friedrich Kapp, „Aktenstücke zurGeschichte derPreußischenCensur-tind Preß-Verhältnisse unter dem Minister Wöllner" im „Archiv fürGeschichte des deutschen Buchhandels" Band V.]

BEURMANN, EDUARD (1804—1883).

Beurmann war einer der Trabanten des „Jungen Deutschlands",als dieses sich 1835 in Frankfurt am Main sammelte, der „Phönix"unter Eduard Dullcrs Redaktion als Organ der neuen Literatur er-schien, Gutzkow und Wienbarg dort die „Deutsche Revue" grün-deten, deren Ausgabe durch die Behörden verhindert wurde, und einneues literarisches Zentrum 1837 i m „Frankfurter Telegraph" sichdurchsetzte, dessen ersten Jahrgang Beurmann als Redakteur zeich-nete, weil der Name des wirklichen Herausgebers Gutzkow verpöntwar. Mit Gutzkow verband ihn enge Freundschaft, ebenso mitDingelstedt; bei einem Aufenthalt in Paris September bis Dezember1836 trat er Börne nahe, auch Heine verkehrte gern mit ihm, undin den Kreisen der oppositionellen Literatur galt er als Gesinnungs-genosse. Als Journalist und Schriftsteller hatte er eine leichte Handund war als Mitarbeiter überall willkommen; meist schrieb er Reise-bilder, wie sie damals nach Heines und Laubes Vorbild modernwaren, Charakteristiken einzelner Städte, wie Frankfurt, Bremen,Lübeck und Hamburg, Berlin, und daraus erwuchs ein größeresWerk „Deutschland und die Deutschen", das mit jenen Einzel-schriften zusammen ein mannigfach interessantes und pikantes Pan-orama des damaligen Deutschlands aufrollt. 1844 gab er sogar einBuch „Über Afghanistan" heraus, eine gute Kompilation.

Beurmann verlor auch das Vertrauen seiner literarischen Freundenicht, als er 1840 Redaktionsmitglied der Frankfurter „Oberpost-amtszeitung" wurde, die als offiziöses Blatt der österreichischenRegierung galt, und im September 1841 zum „Journal de Francfort"überging, mit dessen Selbständigkeit es auch zweifelhaft aussah.Seit 1832 lebte er in Frankfurt; geboren war er in Bremen, in Göt-tingen hatte er 1823—1826 studiert und promoviert und sich imJuni 1826 in seiner Vaterstadt als Advokat niedergelassen. Die Heiratmit einer Schauspielerin scheint ihn mit den Bremer Philistern inUnfrieden gebracht zu haben; den „Mittheilungen aus dem Lebeneines Advocaten", die er im Herbst 1837 bei Wilhelm Küchler inFrankfurt (1838) erscheinen ließ, dürften eigene Erlebnisse zugrundeliegen. Er gab 1832 seine Praxis auf und lebte seitdem von derFeder. Ohne journalistische Brotarbeit war das kaum möglich, auchwenn seine Frau als Schauspielerin in Kassel und anderwärts fürsich selbst sorgte. Und in Frankfurt, am Sitz des Deutschen Bundes-tags, wimmelte es von offiziösen Korrespondenten. Sehr wählerischließ sich da in der Wahl der Beschäftigung nicht sein.