~- BEURMANN
Das aber ahnten die Freunde und vor allem Gutzkow, der nochin den sechziger Jahren mit Beurmann gelegentlich Briefe wechselte,trotz seiner feinen Spürnase nicht, daß dieser Intimus noch eineArt zweites Leben führte, daß er zu dem Rudel politischer Spionegehörte, die der österreichische Staatskanzler Metternich in Deutsch-land, besonders aber am Sitz des Bundestags, besoldete. „Konfi-denten" nannte man sie schamhaft, und ihre Tätigkeit bestand darin,daß sie regelmäßig die Wiener Staatskanzlei mit Stimmungsbildernaus den Schriftstellerkreisen Frankfurts und anderer Orte ver-sorgten. Es läßt sich auch keineswegs sagen, daß er nun hinging undseine nächsten Freunde schnöde verriet; seine Berichte sind, soweitsie Gutzkow und dessen Kreis betreffen, keine böswilligen An-gebereien, sondern manchmal geradezu lobende Anerkennungen, wiesie sich allenthalben auch in seinen Büchern finden; sie enthaltenobjektiv dargestellte Tatsachen, die den Auftraggeber zuverlässigunterrichteten, aber meist nur das Günstigste über die so belauschtenSchriftsteller meldeten. Man möchte fast annehmen, daß sich Beur-mann, als er diese zweideutige Rolle übernahm, gesagt hat: „Besserist, daß du, der Freund dieser Leute, die Berichte übernimmst, stattdaß einem Gegner der gesamten Jungdeutschen die Aufgabe zu-fällt; spionirt und berichtet wird auf alle Fälle und gleichzeitig mitdir auch von andern. So paralysirst du vielleicht deren Lügen undKlatschereien." Und Beurmann war nicht der einzige Typus dieserArt; auch in Freiligraths Freundeskreis fand sich solch ein Kon-fident, ein Dr. Hermann Ebner, gleichfalls Redakteur der „Ober-postamtszeitung" (vgl. Band I, S. 183).
Von Beurmann war diese Doppelrolle am wenigsten zu mutmaßen,da er selbst die freisinnigsten Bücher schrieb, bei allen Gelegenheitenals unbedingter und kühner Freund Gutzkows, Wienbargs usw. auf-trat, eine wertvolle und begeisterte Schrift über Ludwig Börne ver-öffentlicht hat und infolgedessen bei den Zensurbehörden genau soschlecht angeschrieben stand wie die von ihm beobachteten Kollegen.Im Mai 1835 erschienen von ihm „Frankfurter Bilder" (Mainz,bei F. Kupferberg. 1835), die vielerlei Aufschlüsse über das dortigeMilieu des „Jungen Deutschlands", des „Phönix" usw. enthielten.Am 29. Mai schon machte das Berliner Polizeipräsidium den Innen-minister v. Rochow auf dieses Buch aufmerksam: es nehme die Juli-revolution, die Volksherrschaft und den Republikanismus in Schutzund erlaube sich über Fürsten und ihre Handlungen böswilligeWitzeleien (z. B. S. 59, 66, 229, 392 f. u. a.); sein Verkauf in Preußensei demnach wohl zu verhindern. Rochow gab das Buch am 2. Junian das Oberzensurkollegium zur Begutachtung. Der erste Bericht-erstatter, Prof. v. Lancizolle, erklärte (5. Juni), die „FrankfurterBilder" enthielten zwar allerlei zu mißbilligende Einzelheiten, seien