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Holbeins Totentanz und seine Vorbilder
Entstehung
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specifisch BaslerischeBeinhaus'' (Fig. 22) mit den typischen musi-zierenden Toten sich bei Holbein wiederfindet, obschon es dortnicht ganz am Platze war. Es kann daher auch nicht wundernehmen, dass die Mehrzahl der im Alphabet vorkommenden Ständemit denen in Gross-Basel übereinstimmt. Eine Benutzung der ganzenbesonderen Situation kann ich aber nur beim Wucherer (N) finden(s. o.). In Gross-Basel kommen dagegen nicht vor: der Mönch (O),der Krieger (P), die Dirne (S), der Säufer (T), der Reiter (V), dieSpieler (X). Sie finden sich teilweise zwar schon in vorholbeinischenTotentänzen, aber so allgemein vorgebildet, dass von einer Entlehnungkaum die Rede sein kann. Sicherer ist eine solche bei den folgen-den Gestalten nachzuweisen.

Die Darstellung weiblicher Toter hat schon frühe begonnen;und zwar treten sie anfangs gerade in Verbindung mit Männern auf(Kermaria, La Chaise-Dieu, H 2 , Bern) und sind erst in Gross-Baselausschliesslich mit Frauen vergesellschaftet, was in den späterenAusgaben der Danse macabre wiederholt wird, wo alle Toten desFrauenreigens ,,la morte" genannt werden. In dieser Verbindung derSterbenden mit Toten ihres eigenen Geschlechts ist aber nicht mehrausgedrückt als in den Worten der alten Legende:Was ihr seid,das waren wir, was wir sind, das werdet ihr" ; und dieser Auffassungschloss sich Holbein in der Zeichnung zur Dolchscheide an. Um soweniger kann er im Alphabet nur zufällig auf die andere und ältereVerwendung der weiblichen Toten verfallen sein, sondern wird sieden am leichtesten zugänglichen Holzschnitten H 2 (Fig. 46) entlehnthaben. Wie ganz anders als seine Vorgänger nutzte er aber diesesMotiv aus! Bei jenen sind die Beziehungen der weiblichen Toten zuden Männern eigentlich nicht zu verstehen und vielleicht auch ganzuntergeordneter Natur*). Indem Holbein dagegen den mächtigenHerzog, den kriegsstarken Mann, mit angstvoller Gebärde und inwilder Flucht vor dem alten Weibe darstellte (I), verlegte er denSchwerpunkt in die stark satirische Veranschaulichung des Affekts,nämlich der sinnlosen Todesangst vor dem plötzlich hereinbrechendenVerhängnis. Auch in der Scene des Säufers (T) dienen die beidenweiblichen Toten nicht zu irgend welchen versteckten Anspielungen,

*) Dass Manuel in der Zusammenstellung des Chorherrn mit einem weiblichen Toten eineboshafte Anspielung auf das Leben der Geistlichen beabsichtigte, kann allenfalls vermutet werden,ist aber keineswegs evident.