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aller — heisst es in der Danse macabre), sondern die Empfindungder Mutterliebe und des Schmerzes der Mutter, die ihren Lieblingsich entrissen sieht. So verstand es Holbein, auch wo er an derDarstellung des wirklich eintretenden Todes festhielt, den abstrakten,allgemeinen Gedanken zu individualisieren und so zu vertiefen, dassuns aus seinen Bildern die mannigfachsten Beziehungen ansprechen.
Freilich war schon dem alten Totentanz eine solche Auffassungnicht ganz fremd, bei dem Kind und der Mutter so gut wie bei an-deren Personen. Sie blieb aber auf einzelne Andeutungen im Textbeschränkt und ging nicht auf die Bilder über. Denn vor Holbeinhatte die bildende Kunst in den Totentänzen, auch Manuel nichtausgenommen, sich noch kaum zu der Freiheit durchgerungen, dasssie, statt der führenden Dichtung nur den traditionellen äusserenSchmuck zu leihen, aus ihr bloss die Anregung entnahm zu selb-ständigem Schaffen nach eigenem Gesetz. Und Holbein selbst war,ich wiederhole es, keineswegs gleich von Anfang an zum Bewusst-sein der eigenen Kraft gekommen, obschon gerade das Alphabetihm die günstigsten äusseren Bedingungen zur Herstellung ganz selb-ständiger Bilder bot. Allmählich erst entfernte er sich von seinenVorbildern so weit, dass zuletzt an die Stelle der üblichen Totentanz-scenen eine Anzahl von meist vollkommen ausgeführten Darstellungenzeitgenössischen Lebens trat, in denen die Totengestalten dazu dienen,durch den Gegensatz die Lebensbewegung zu steigern, zu pointieren.
Unter diesen Umständen fällt auch die Vergleichung der Hol-BEiNschen Bilder mit denen seiner Vorgänger unter einen ganz an-deren Gesichtspunkt, als der beim Vergleich der alten Totentänzeuntereinander massgebend ist. Dort überwiegt das historische Inter-esse , den Zusammenhang der verschiedenen Darstellungen oft mitHilfe ganz untergeordneter Äusserlichkeiten aufzudecken; wo aberdie Illustration zum wahren Kunstwerk geworden ist wie bei Hol-bein, da will der Nachweis des Ursprungs der einzelnen Motive nurdie Einsicht fördern, was der Künstler aus dem Erbe zu machenverstand und mit welchen Mitteln er es that. Nur in diesem Sinnseien hier die Entlehnungen Holbeins erwähnt, die er mit souveränerUnbefangenheit sich nach allen Seiten hin erlaubte.
Dass Holbein dem Grossbasler Totentanz die Anregung zuseinen Totentänzen verdankt, braucht nicht weiter erörtert zu wer-den. Es genügt, in dieser Hinsicht darauf zu verweisen, dass das