Druckschrift 
Schadow und seine Schule : Festrede
Entstehung
Seite
14
Einzelbild herunterladen
 

14für poetische und künstlerische Schöpfungen. Es war ja wohlanders vor jenen 40 Jahren, als heute! Damals noch inblühenden Gärten und fruchtbaren Feldern ruhend, wo heuteein mächtiger Gürtel von dampfenden Schornsteinen, kolossaleAltäre der Göttin Industrie, die alle Welt beleckt, es um-schlossen halten und die brausende Lokomotive an ganz neuentstandenen Stadttheilen vorübersausend, Nah und Fern aufder eisernen Schiene verbindet. Der Hofgarten mit seinenunermüdlichen Nachtigallen, der anmuthige Grafenberg, derBilker Busch, das altehrwürdige Gerresheim mit seiner präch-tigen Kirche, Neuß mit uraltem Dome, Nieder=Cassel, Stock-kämpchen mit seiner klassischen Kegelbahn und alle die idylli-schen Punkte der friedlichen Umgebung, waren bald die regel-mäßigen Ziele der ausschwärmenden Kunstjünger.Aber auch die lebendige Menschenwelt, die Bewohner derlieben Stadt, kamen den muntern Jüngern der Kunst mit dergastlichsten Freundlichkeit entgegen.Heute, am Tage der Erinnerungen, sei es gestattet, we-nigstens einige der Namen zurückzurufen in das Gedächtnißder Gegenwart, deren Träger zumeist schon dieß irdische Daseinverließen. Vor allen war es die Familie von Worringen, diedem Schadowschen Hause und den Künstlern, ihre schöne, ächtrheinische Häuslichkeit gastlich erschloß. Musik war die Seeledieses Hauses, ohne Gesang war keiner jener einfach gemüth-lichen Abende inmitten dieser liebenswürdigen Menschen denk-bar, und so war es auch hier, wo Felix Mendelssohn späterden Lieblingskreis seines hiesigen Lebens fand, ein Kreis, dener durch seine anmuthigsten Schöpfungen auf dem ächt deutschen