Druckschrift 
Schadow und seine Schule : Festrede
Entstehung
Seite
8
Einzelbild herunterladen
 

Erinnerung an seine frühere Herrlichkeit mächtig entflammten,entstanden dort die ersten bedeutenden Werke der neuen Rich-tung, die Fresken der Casa Bartoldi und des Pallastes Massimiund so manches weniger umfängliche und doch bedeutende Werk.Eine Reihe der ausgezeichnetsten, damals in Rom lebendenMänner, wie Niebuhr, Wilh. v. Humboldt, F. Schlegel, Lud-wig Tieck, Thorwaldsen, Zach. Werner, Oehlenschläger, Rumohru. a. trugen durch geistige Anregung nicht wenig bei zu demraschen Aufschwung der jungen deutschen Kunst. Ernste Re-ligiosität war der Hauptcharakter dieser ersten Zeiten. Over-beck, Schadow und noch manche Andere bethätigten diese Ge-sinnung durch ihren Uebertritt zur katholischen Kirche.Die schöne erste Epoche des Zusammenlebens und Wirkensdieser kleinen Künstlergemeinde, die den Spottnamen der Na-zarener zu so hohen Ehren gebracht hat, konnte nicht langedauern; die Apostel des neuen Kunstevangeliums mußten es inalle Welt tragen. Auch Schadow verließ Rom mit seinemBruder Rudolf, um in das Vaterland zurückzukehren, im Juni1819, gerade vor 50 Jahren! Den heutigen Tag aber brachteer auf seiner Rückreise in Florenz zu, wie ich mit Sicherheit ausseinem noch von Niebuhr ausgestellten Reisepaß ersehe, denich als theure Reliquie aus Schadow's eigner Hand bewahre.Er hatte Florenz am 18. Juni durch die Porta S. Niccolòbetreten und erst am 26. Juli wieder verlassen. Welch' eineWelt von großen und kleinen Ereignissen liegt in diesem fünf-zigjährigen Zeitraum! Wer dem dreißigjährigen Wandrer da-mals den heutigen Tag im Zauberspiegel gezeigt hätte!Die Rückreise führte die Brüder über Florenz, Bologna,