Seit Albrecht Dürer und H. Holbein's Zeiten, seit bei-nahe drei Jahrhunderten gab es keine deutsche Kunst. Hattedoch die Blüte dieser großen Vergangenheit, als sie gerade inschönster Entfaltung stand, der furchtbare Sturm eines dreißig-jährigen Glaubens= und Bruderkampfes geknickt. Zwar hattedie stammverwandte niederländische Nation, noch während inDeutschland die Kriegsflamme loderte und im Verlauf dernächsten Jahrzehnte des Friedens eine schöne und eigenartigeKunstblüte erlebt, aber in Deutschland selbst war alles auflange verödet. Erst mit Raphael Mengs in der Mitte des18. Jahrhunderts beginnt ein schwaches Aufleuchten deutscherKunst, das doch mehr noch erscheint, wie eine Nachblüte jenerRestaurationsepoche der italienischen Malerei, welche die bo-lognesische Schule hervorgerufen hatte. Noch einmal mußte eineisiger Winter kalter, tyrannischer Fremdherrschaft das deutscheVolk und den deutschen Geist in seine starren Fesseln zwängenein blutiger Völkerkrieg diese Fesseln brechen, ehe ein neuer,ungeahnter Frühling auf allen Gebieten des Lebens und soauch im Gebiete der Kunst hervorbrechen konnte!Schon vorher hatten Asmus Karsten, Wächter, Schick u. a.das Werk der Erneuerung begonnen, aber erst in Rom, woCornelius und Overbeck zusammentrafen, denen sich WilhelmSchadow zuerst begeistert anschloß, wie später noch JuliusSchnorr und Phil. Veit, vollendete sich der Beginn einer neuenKunstepoche, deren Schöpfern das deutsche Volk ewig den tief-sten Dank schuldet.Unter dem erhebenden und begeisternden Eindruck derFreiheitskriege, die das Bewußtsein des deutschen Volkes, die
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