mußte. Einen gleichgesinnten und treuen Genossen seiner Lehrejahre hatte ihm Gott in seinem Bruder Rudolf, dem leider zufrüh verstorbenen Bildhauer, gegeben, der später auch denAufenthalt in Rom mit ihm theilte.In der preußischen Residenz sah es damals nicht bloßauf dem Gebiete der Kunst traurig genug aus!Es waren die Jahre jener moralischen und politischenErschlaffung, welche auf die straffe und heroische Aera Friedrichdes Großen folgten. Eine allgemeine Genußsucht, der jede mo-ralische Schranke zuwider war, hatte sich als eine Art vonnatürlicher Religion, nach und nach bis zu einer uns jetztkaum glaublichen Höhe gesteigert. Daß von einem positivenchristlichen Bekenntniß unter solchen Verhältnissen nicht mehrdie Rede sein konnte, kann nicht befremden, aber auch diemännliche Moral des Nationalismus, wie sie in Kant's Philo-sophie so groß und ernst aufgetreten war, konnte unter dementnervten Geschlecht keine Anhänger finden. Woher sollte dader bildenden Kunst der sittliche Ernst gekommen sein, wennsie doch ihrer innersten Natur nach nichts anderes sein kann,als die Blüte des geistigen Lebens und Webens einer Na-tion und ihrer Zeit! Und was war damals die deutsche Na-tion? — — —Auch dem jungen Schadow konnten die trau-rigen Einwirkungen solcher Zustände und Umgebungen nichterspart werden, wenn auch sein glücklich begabtes Naturell unddie emsige Beschäftigung mit der Kunst ihn immer wieder inidealere Sphären hob. Aber erst in Rom, wohin er im Jahre1810 mit seinem Bruder Rudolf ging, sollte er finden, wasseiner jungen Seele unbestimmte Sehnsucht verlangte.
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten