216. ■ 1589 203
216. Beschwerdeartikel Johann Casimirs gegen seine 10, Juni
Gemahlin.
„Etliche puncten, so J. F. Gn. dero gemahel hat lassen für-halten durch den canzler doctor Keber [!] und doctor Ehum [!]des herzogen canzler, den 10 ten junii anno 1589.
1. Wann sie in die kirchen soll gehn und gottes wort anhören,so schlaf sie und spin oder webe, und also gottes wort nit vleissigzuehöre. 2. So sei sie neulich aus der kirchen geloffen, wie derneu caplan hat anfangen zue predigen. 3. Darnach auch beidefräulin mit ihr hinaus genommen, also ursach geben dem fräulinzum bösen exempel. 4. Sie gehe zue keinem naohtmal und haltauch mit ihren exempeln die bede fräulin davon mit ab. 5. Die-weil man den zweien fräulin ein hofmeister und ein hofmeisterinbestellen hat wollen und albereit bestellt worden sein, sie dasselbigegehindert und Vertröstung geben, das sie wolle anders sie in reli-gionssachen verhalten und darein schicken, welchs dero beiderkeines geschehen, derohalben ihren herrn zum Unwillen ursachgebe. 6. So sei sie neulich zue Lautereck bei herzog GeorgGustavo heimlicher weis in ainer camer zum nachtmal gangen.7. Sie hat das fräulin Christina auch mit darzue genommen, welchesihr nicht gebüret; das ihme solchs zu verantworten stehet als eimadministrator, wie sie in warer religion uferzogen werden. 8. Sieziehe das fräulin Dorothea zum luterischen catechismum und haltsie von dem heidelbergischen ab, wie dann P. neulich darzue kom-men, das sie solchen hab vor der band gehabt. 9. Sie gebe ursach,das der junge herr kein freien zugang haben mag zu seiner Schwester,gespräch mit ihr zue halten. 10. So hab sie neulich den LucasFeyerabend und hausschneider, das sie sein zum nachtmal gangen,mit harten ehrrüerigen worten angefahrn, also ursach gebe, dasandere, so nicht dörfen frei und willig zu meines gnedigen herrn
wird (vgl. die Inhaltsangabe: „remectant toutesfois la communicationa la discretion dudit s r duc Casimir"); es ist die Antwort auf einSehr. J. C, das La Hug. III, 290f. vom 30. Mai datirt und das nachseiner Angabe bereits ein Zurückweichen J. C. von der früher eifrigbetriebenen Annäherung an Lothringen dargestellt hätte. Dies ergibtsich in der Tat aus J. C. Antwort an Lothringen vom 18. Juni (No. 220).von der La Hug. nichts erfuhr, während er die Ueberreichungdes lothr. Sehr, an J. C. ganz richtig auf den 16. Juni ansetzt (III, 294).J. C, der eben damals in seiner Politik eine entschiedene Wendungzu Gunsten Heinrichs III. und Navarras eintreten Hess (v.el. No. 218),war offenbar entschlossen die früheren Velleitäten bezüglich Lothringensund damit auch den Unterhändler fallen zu lassen (vgl. La Hug. III,298 f.). Das obige Sehr, beweist aber, dass in der Tat geheime Ver-handlungen zwischen beiden Fürsten eingeleitet worden waren. Nocham 5. Juni schreibt Dietrich von Schönberg an den Strassburger Rataus Bischweiler von Zeitungen, dass „der von Hassovile" (der vonLa Hug. in dieser Sache mehrfach erwähnte lothringische Vertrauens-mann Haussonville) bei J. C. und a. deutschen Fürsten zu Kassel seinsolle (Str. A. A. 836, Or.). Am 4. Juli schreibt J. C. auf eine Anfragedes Pf. Keichard, Lothringen habe allerdings einen Gesandten in Kasselgehabt (zur Hochzeit von L. Wilhelms Tochter Anna Maria?).