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Sinn sich regte, bis Holbein den Weg fand von jenen alten Illustra-tionen zum wahren Kunstwerk, vom Mittelalter zur neuen Zeit. Undlange vor den ältesten Basler Malern schufen schon begabte Mönchean derselben Dichtung, in lebender Schaustellung und gesprochenemWort. Eine solche Jahrhunderte dauernde Entwickelung desselbenGegenstandes, von der Dichtung zum Schauspiel und von diesemzum Bilde, mit immer steigendem Kunstwert, ist wohl nur nochselten nachzuweisen.
Aber nicht nur in der äusseren Form, in der Vervollkommnungder Darstellung vollzog sich diese Entwickelung des Totentanzes,sondern auch in den beherrschenden Grundgedanken. Nicht alswenn sich die verschiedenen Auffassungen mit einem Mal vollständigablösten, vielmehr nach der Art jeder organischen Entwickelungdrang das Neue allmählich ein, überwand erst allmählich die frühereForm, um ebenso wieder neuen Gestaltungen Platz zu machen.Daher trägt jede Entwickelungsstufe neben Altererbtem schon dieKeime zukünftiger Bildung.
Wie eintönig klingen noch jene altfranzösischen klösterlichenLehrgedichte über den Tod, die der Ausgangspunkt werdensollten für eine Jahrhunderte ausdauernde geistige Bewegung. DenÜbergang zur folgenden Stufe kennen wir nicht, dürfen aber an-nehmen, dass das geistliche Schauspiel, das den Inhalt derLehrgedichte in lebendiger Schaustellung und dramatischer Ver-knüpfung, mit der phantastischen Zugabe des tanzenden Todeswiedergab, nicht gleich in der vollständigen Gliederung auftrat, diewir aus späteren Quellen kennen lernen. Diese älteste dramatischeForm des eigentlichen Totentanzes verfolgte noch immer den altenlehrhaften Zweck, suchte ihn aber, und gewiss mit Erfolg, durch dasneue, sinnenfällige Mittel des Bühnenspiels besser und in weiten
Volksmassen zu erreichen.Darstellung des volkstümlich
Dieser Erfolg veranlasste die dauerndegewordenen Totentanzes in Wand-gemälden; und damit beginnt die Sonderung in eine französisch-niederdeutsche und eine oberdeutsche Reihe dieser bekanntesten undam weitesten verbreiteten Form des Totentanzes. In Frankreichund Norddeutschland, dem sich auch England und Italien an-reihen, schloss sich der gemalte Totentanz eng an den gespielten anund behielt dauernd den kirchlich-asketischen Charakter, der nuneinmal der Geistlichkeit und den von ihr geleiteten Volksmassen