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Holbeins Totentanz und seine Vorbilder
Entstehung
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zusagte. Auch durch den Übergang der Gemälde in die Buch-illustrationen wurde in Frankreich daran nichts geändert dieseReihe der Totentänze verfiel in jeder Richtung einer vollständigenStagnation.

In Oberdeutschland löste er sich aber schon in demältesten bekannten Gemälde und wahrscheinlich selbst in demvorausgegangenen Schauspiel von seinem Mutterboden ab und ge-wann eine neue Form: das Lehrhafte trat zurück gegen dieCharakterisierung der dargestellten Personen, die Zusammenfassunglag nicht mehr einfach im mahnenden Todesruf, sondern in demauch malerisch veranschaulichten, dichterisch gefärbten Vorgang, indem Zuge der ganzen bunten Gesellschaft zum gemeinsamen Ziel,dem meisterhaften Totentanz auf dem Friedhof. Der Stoff wurde

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volkstümlich im weltlichen Sinn und fand alsbald die weiteste Ver-breitung durch die alten Blockbücher, die, abgesehen von den ausFrankreich entlehnten Predigerbildern, frei blieben von den morali-sierenden Zuthaten, die in den viel späteren französischen Totentanz-büchern einen so breiten Raum einnehmen. Daneben machte dieangebahnte Ausarbeitung und Individualisierung der Einzelbilder injedem neuen Gemälde Fortschritte, bis endlich Holbein den altenVerband bis auf äusserliche Reste völlig löste und aus dem Toten-tanz nur noch die äusseren Motive zu einer langen Reihe völliggetrennter Bilder entnahm, deren Inhalt das menschliche Leben undderen Zusammenhang die Welt war.

So beschloss in Oberdeutschland, in Basel, der Totentanz seineeigentliche Entwickelung alles Spätere ist minderwertiger Nachhall mit einem vollkommenen Kunstwerk der Malerei im weiterenSinn, frei von den engen Schranken seiner Vorbilder, von Sitten-predigt und ihrer dichterischen Einkleidung, und menschlich wahr,aber mit den tragischen Reflexen, die Holbein auch dem Alltags-leben zu verleihen verstand. Gewiss ist jener in den beidenReihen der Totentänze dargelegte Zwiespalt, die frühe Erstarrungauf der einen, die mächtig bis zum letzten Ziel fortschreitende Ent-wickelung auf der anderen Seite, keine zufällige Erscheinung, sondernwurzelt in tieferen Gründen, als sie angedeutet werden konnten; beisolchen Überlegungen hört aber meine Aufgabe auf.