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Kärrner selbst nichts zu thun haben, repräsentieren rein bildlich dasVerhängnis bei dem Unglücksfall. Woltmann versichert uns dagegen,dass im nächsten Augenblick auch der Kärrner in den Sturz ver-wickelt sein wird. Jemand muss doch sterben, wo bliebe sonstdas Todesbild!
Freilich, im letzten Bilde des eigentlichen Totentanzes (derelende Sieche, 47) versagt diese Auslegung. Wir sehen daeinen halbnackten und krüppelhaften Bettler auf offener Strasse,aber abseits von den Häusern und dem Verkehr der Menschen, aufeiner Streu sitzen, das Gesicht zum Himmel erhoben und die welkenHände gefaltet. Es liegt auf der Hand, dass dieses Bild, bei allerFreiheit der Deutung, sich in das Schema des mittelalterlichen Toten-tanzes nicht einfügen liess. Deshalb scheuten sich die alten Nach-ahmer Holbeins auch nicht, es in ihrem Sinne zu ergänzen: in denKölner Nachschnitten, die auch in der Laybacher Ausgabe (No. 69)Verwendung fanden, wurde neben den Krüppel die Totengestalt mitder abgelaufenen Sanduhr gesetzt und so in nicht misszuverstehenderWeise der Tod des Bettlers geschildert. Schlotthauer - Schubert,die es mit Holbeins unveränderten Bildern zu thun hatten, war jenerbequeme Ausweg verschlossen; sie mussten sich daher auf dieErklärung beschränken, der Elende flehe um seinen Tod, undWoltmann fügte dann hinzu, dass der Flehende keine Erhörungfinde. Allerdings schien ihm dies eine „kühne Erfindung" für einenTotentanz zu sein; er sucht es deshalb dadurch zu erklären, dassdasselbe Motiv unter anderem auch in dem berühmten Triumph desTodes in Pisa vorkomme, wo die Krüppel und Bettler den Todebenfalls vergeblich um Erlösung anflehen. Im übrigen erfahrenwir über Holbeins Bild nichts anderes, als dass „der Hohn fürchter-licher nicht zugespitzt werden kann".
Bei dieser Phrase verschwammen unserem Kritiker offenbar das .HoLBEiNsche und das Pisaner Bild in eins. Sie wäre allenfalls beidem letzteren angebracht, wo der sichtbare Tod an den ihn an-flehenden Unglücklichen achtlos vorbeizieht, nicht aber bei Holbein,wo nichts dergleichen zu sehen ist; sonst müsste ja jede Darstellungeines Lebensmüden denselben fürchterlichen Hohn predigen. Magalso Woltmann auch den mächtigen Eindruck des HoLBEiNschenBildes überhaupt empfunden haben, so hinderte ihn doch vor allem
sein Vorurteil für die „Todesbilder", es unbefangen zu prüfen.
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