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Bildes mit gleicher Unmittelbarkeit herauslesen würde, wenn jenehalb allegorischen Gestalten fehlten; gerade so wie in dem früherbeschriebenen Bilde von L. Cranach (S. 262) dieselben Figuren nurdie von Adam empfundenen Schrecken, Todesangst und böses Ge-wissen, versinnlichen. Der wüste Ausdruck wilder Leidenschaft konnteim Spielerbilde wirklicher und wirksamer gar nicht dargestellt werden;und wenn es wahr ist, was Sandrart berichtet, dass Michelangeloda Caravaggio durch dieses HoLBEixsche Blatt zu seinem berühmtenSpielergemälde angeregt wurde, so spricht dies deutlich genug dafür,welchen Eindruck Holbein zu erzielen verstand.
Es scheint übrigens, dass letzterer schon im Spielerbilde desAlphabets (X) demselben Gedanken Ausdruck geben wollte; denndas leidenschaftlich verzerrte Gesicht und der weit geöffnete Munddes Verlierenden — bedauerlicherweise nur mit Hilfe einer Lupedeutlich zu erkennen — können unzweifelhaft nichts anderes be-deuten, als dass er ebenfalls einen lasterhaften Fluch ausstösst.Auch der Teufel ist nur eine passiv-allegorische Figur; indem aberder Tote ebenso wie der zweite Spieler nach einem Geldhaufengreift, gebärdet er sich eigentlich als Mitspieler und erschwert da-durch eine einheitliche allegorische Auffassung. Unstreitig ist diesdas geringere Bild, das aber die Keime zu dem vollkommenerenspäteren enthielt, wo die das wüste Treiben der Spieler ver-anschaulichende Allegorie ganz unverkennbar ist. Dass und wie dasAllegorische uns in greifbarer, täuschender Wirklichkeit vorgeführtwird, ist die unnachahmliche Kunst Holbeins, worin ihm keiner seinerZeitgenossen gleichkam.
Dieselbe Kunst bewährt sich auch im Bilde des Kärrners(46). Jammernd steht er neben seinem schwer beladenen Lastwagen,der, nachdem ein Vorderrad von der Achse abgeglitten ist, zusammen-brach und im Sturz auch ein Pferd zu Boden riss; und indem dieStricke sich lösen, mit denen die Fässer auf dem Wagen befestigtsind, sieht der Ärmste auch dem Sturz und der Zerstörung derletzteren entgegen. Dies ist der eigentliche Vorgang. Aber dasböse Geschick wird uns noch anders veranschaulicht; das Rad,das den Unfall veranlasste, wird von einer der uns bekannten un-heimlichen Gestalten fortgetragen, und die Stricke lösen sich, weilein anderer Dämon die Knebel aufdreht. Eine weitere Erklärungscheint mir nicht von nöten. Die Totengestalten, die mit dem