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Holbeins Totentanz und seine Vorbilder
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Woltmanns Beschreibung zum Bilde der Spieler (41) lautet so:Der erste hat gewonnen und streicht sein Geld ein, der zweite hatverloren und flucht, da kommt der Teufel, den er gerufen, und packtden dritten am Schöpfe, und von der anderen Seite fährt der Toddazwischen, würgt seinen Mann an der Kehle und ruft dem Teufelzu: Erst komme ich." Aus diesen kurzen Sätzen ist es mir nichtmöglich zu entscheiden, ob Woltmann hier etwa denselben Gedanken-gang andeutete, den ich gleich angeben werde; jedenfalls hätte erdann zum erstenmal seine stereotype Auffassung der HoLBEiNSchenTotentanzbilder aufgegeben. Auf den ersten Blick sollte man meinen,dass dieses Bild ganz unzweifelhaft, in handgreiflicher Weise unsdie Strafe vor Augen führt, die einem lasterhaften Leben im Todedroht und den Frevler mitten in seinen Sünden überrascht. Abergerade die naive Deutlichkeit der Darstellung lässt uns darüber nichtim unklaren, dass dann die Sühne gar nicht im Tode selbst zuerblicken wäre: der Teufel, der kaum den Tod seines Opfers er-warten kann, um dessen Seele in die ewige Verdammnis hinab-zuziehen, ist der eigentliche Vollstrecker des Gerichts, nicht der Tod.Auch muss es auffallen, dass dieses Gericht an demjenigen der dreiSpieler vollzogen wird, dessen Schuld am wenigsten ersichtlich ist,während der Gewinner, dessen Glück vielleicht nicht ganz zufälligwar, und sein Gegenüber, dessen leidenschaftliches Fluchen wir zuhören meinen, frei ausgehen. Kann man überhaupt annehmen, dassHolbein lediglich jene landläufige Moral illustrieren wollte? Undliegt nicht der Hauptwert des Bildes für jedermann in der packendenCharakteristik der ganzen Spielerbande, so dass man unwillkürlichfragt, in welcher Beziehung stehen Tod und Teufel gerade dazu?

Ersichtlich wendet sich der fluchende Wüstling nach seinemvom Tode gewürgten Mitspieler, dem er wohl die Schuld an seinemUnglück beimisst, und seine gegen den Teufel ausgestreckte Handlässt uns nicht im Zweifel, welchen Fluch er dem ersteren zu-schleudert*). So hätten wir also in den nach der früheren Auf-fassung recht schwächlich motivierten Gestalten des Todes und desTeufels nur eine Versinnlichung des Fluchs zu erblicken,den der verlierende Spieler ausstöst, und den kein Beschauer des

*) Wie verschieden doch unsere Augen sehen können! Nach Naumann reicht jener Spielerdem Tode die Hand wie einem lieben Bruder, und nach Mechkl bittet er ihn eindringlich zuGunsten seines gewürgten Mitspielers.

Goette, Holbeins Totentanz u. seine Vorbilder. ig