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Holbeins Totentanz und seine Vorbilder
Entstehung
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Die ganze treffliche Schilderung der Konsultation, durch die Satiremit dem Vermittler-Tod noch mehr gehoben und belebt, bietetdoch dem Beschauer weit mehr, als auch das vollkommenste richtigeTodesbild es vermöchte.

Schon im Alphabet sehen wir gerade das Bild des Arztes überdie gewöhnliche Auffassung hinausgehoben, indem nicht sowohl seineOhnmacht gegen den eigenen Tod, als vielmehr sein eingebildetesWissen gegeisselt wird. Im grossen Totentanz ging Holbein auchin diesem Fall über seine frühere Darstellung hinaus, indem er dieSatire in ein vollkommenes Genrebild einkleidete.

Noch ist aber die Phantasie und die Kunst unseres Meistersnicht erschöpft, und die folgenden Bilder zeigen uns, dass erfür seine Totenfiguren noch andere Verwendung wusste. No. 30schildert uns einen Schiffbruch: es jagt der Sturm durch dieLuft, bereits hat er an dem bedrohten Schiff das Segel losgerissen,das zerfetzt im Winde flattert, Verzweiflung erfasst die leiden-schaftlich bewegte Mannschaft, da bricht endlich auch der Mastund zugleich erscheint am Schiffsbord eine knochendürre Gestalt,die mit aller Kraft am Sturz des Mastes arbeitet. Natürlich führtdieser Todesmann den Untergang des bereits verlorenen Schiffesnicht herbei; er zeigt sich dabei nur mitthätig dem entsetzten Schiffs-volk , dessen Aberglaube bei diesem Anblick die letzte Hoffnungschwinden lässt es hat einen der bösen Dämone gesehen, diedem Schiffer den Untergang ansagen, und sinnlos vor Verzweiflungund Schrecken ziehen sie den Sprung ins Wasser den weiterenQualen im sinkenden Schiffe vor.

So sehe ich das Bild; ich finde darin den Todesgedanken nichtmehr ausgedrückt als in einer sonstigen Darstellung eines Schiff-bruchs, nur das dämonische Element ist das Neue und Eigene, dasdem Bilde seinen besonderen Charakter verleiht. Die BemerkungenMassmanns und Woltmanns, die in dem Schiffbruch nur die himm-lische Strafe für dieMammonsdiener" erblicken, habe ich schongebührend beachtet (S. 247, 248). Ob und welchen ästhetischenGenuss das Bild unseren Sittenrichtern daneben noch bot, erfahrenwir freilich nicht. Ein anderer Kommentar sorgt wenigstens für dieHeiterkeit des Lesers. Meciiel (No. 52) versichert uns, dass einervom Schiffsvolk in der grössten Gefahr mit seinem guten Gewissen

ruhig

bleibe, und dieser eine

trage die Züge

des Sokrates.