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Holbeins Totentanz und seine Vorbilder
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des letzteren versunkene Sterndeuter beachtet die Anwesenheit desToten nicht, der ihm höhnisch einen Totenschädel hinhält; die inLyon hinzugefügte Bibelstelle verspottet die Afterweisheit der Astro-logen. Nun kann man dies ja wohl sofort aus dem Bilde herausempfinden; worin ist aber dieser Spott bildlich ausgesprochen? Wasbedeutet der vom Toten hingehaltene Schädel? Wenn Massmanndiesen denSchädel der Selbstbetrachtung" nennt und Woltmannumschreibt alseinen Gegenstand, der gleichfalls der Betrachtungwert sei", so wird niemand in diesen matten Versuchen einer er-baulichen Interpretation die gewünschte Erklärung finden wollen.Unzweifelhaft erleichterte der Zeichner der Laybacher Nachstiche(No. 69) die einzig mögliche Deutung, indem er den Sterndeutersich mit einem auf dem Tisch ruhenden Erdglobus beschäftigenHess, der daher dem vorgezeigten Schädel so genähert ist, dass einVergleich beider sich notwendig aufdrängte. Wessely sagt daher mitRecht, dass der Tod den Schädel wie einen Globus reicht; damitist die gesuchte Beziehung gegeben. Auf der einen Seite der Stern-deuter, der Umfang und Inhalt des Lebens durch thörichte Spielereienzu ergründen sucht, auf der anderen Seite die dämonische Gestalt,die an ihremGlobus" das Ende des Lebens mit unwiderleglicherSicherheit bestimmt*), in dieser Gegenstellung liegt die trefflicheVerspottung des Stubengelehrten. Mehr ist in dem Bilde nicht ent-halten : Andeutungen des wirklichen Todes, Todesstimmung und Ähn-liches hat darin keinen Platz.

Es folgen jetzt zwei Blätter, in denen die Totengestalten wiederals natürlich mitwirkende Personen auftreten. Dem Pfarrer, dermit dem Sakrament zum Sterbenden eilt, begleitet von dessen An-verwandten , schreitet der Tote als Messner voran**), Glocke undLaterne in der Hand, das Stundenglas unter den Arm gepresst. -In gewohnter Weise muss den älteren und neuen Interpretender begleitende Bibelspruch (Auch ich bin ein sterblicher Mensch")die Direktive geben: das Bild bedeute den bevorstehenden Tod desPriesters. Das Bild selbst redet aber nur von dem einen, indirektdargestellten Tod desjenigen, dem die letzte Tröstung gebracht wird.

*) Dass die Totengestalt einen Gehülfen des Gelehrten bedeute, der ihm den Globus reicht,ist möglich, aber nicht mit Sicherheit aus dem Bilde zu entnehmen.

"') Im Alphabet brachte HOLBEIN den Toten als Messner mit dem Chorherrn zusammen, umdiesen in seiner Berufsthätigkeit zu schildern; im vorliegenden lülde ist dasselbe Motiv in ganzanderem Sinne verwendet.