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Holbeins Totentanz und seine Vorbilder
Entstehung
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Hochzeitsfest, worauf schon die Brautkrone des Mädchens hinweist.Die vollkommene Tanzstellung des Toten der Braut ist übrigens nachdem Berner Bilde der Kaiserin kopiert. Wenn aber Holbein den-selben Gegenstand zweimal zeichnete, zuerst mit enger Anlehnungan die alten Vorbilder, dann in wesentlich vervollkommneter Auf-fassung, so sollte die letztere Zeichnung offenbar die zwei ersterenwenie befriedigenden Entwürfe ersetzen, die also nach Holbeinseigenem Willen dem Cyklus nicht eingereiht werden sollten. Dass diesin der letzten Lyoner Ausgabe (1562) dennoch geschah, hatte keinenanderen Grund als den Wunsch der Verleger, die neuen Auflagendes Totentanzbuchs zu vermehren,wozu selbst die in diesem Fallvollendsunpassenden Kinderscenendienen mussten. So interessant alsodie in Rede stehenden beidenTotentanzbilder sind, um HolbeinsGedankengang bei seiner Arbeit zuverfolgen, so wenig scheinen siemir neben dieNeuvermählten" desgrossen Totentanzes zu gehören.Der Sterndeuter (27)kommtin der Danse macabre anfangsunter dem Namenle maistre" vor,was seit i486 durchl'astrologien"ersetzt wurde; äusserlich durch Glo-bus und Zirkel kenntlich gemachtsehe ich ihn erst in dem xylo-graphischen italienischen Toten-tanz (ca. 1500) der Bremer Kunsthalle (s. Schreiber)*). Der Hol-r.EiNSche Sterndeuter hat aber damit nur die Bezeichnung des Standesgemein, dagegen eine auffallende Ähnlichkeit mit einem anonymenHolzschnitt von ca. 1500 (s. Henne am Rhyn II, 370), worin einGelehrter in seiner Studierstube zu sehen ist (Fig. 95): der reichausgestattete Sessel, der Tisch mit Säulenfuss und Lesepult, dasoffene Bogenfenster, endlich der von der Decke herabhängendeHimmelsglobus stimmen merkwürdig überein. Der in den Anblick

F'g- 95- Gelehrter, Holzschnitt aus der Zeitum 1500, nach Henne am Rhyn.

) Danach ist die Angabe Vögelins (No. 71, S. 47), dass der Sterndeuter zuerst in Bernvorkam und Holbein ihn nur dort entlehnt haben könne, zu berichtigen.