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Holbeins Totentanz und seine Vorbilder
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Gespräch an den Hand, vor ihnen tanzt der grinsendeTod", wilddie Trommel schlagend. Die in den Lyoner Ausgaben gewählteBibelstelle:Dich und mich trennt nur der Tod" passt diesesMal ausnahmsweise, und zwar als Ausspruch des zärtlich redendenGatten*). So viel ist sicher, dass hier nicht der Tod einer bestimmtenPerson, etwa der Edelfrau, angedeutet ist und dass daher auch derTanz der Totengestalt nur äusserlich an die alten Totentänze erinnert.Denken wir sie uns dem jungen Paar auf dem Gange zur Hochzeitoder zum Brautgemach voranschreitend, so liegt darin nur dieDrohung des tragischen Schicksals, das die eben erst glücklich Ver-einten frühe und jäh trennen wird. Zweifellos liegt im Gegenstandeeine Reminiscenz an den Jüngling und die Jungfrau der alten Toten-tänze. Wieviel geistreicher ist aber die Darstellung Holbeins, derdie Totengestalt als Kontrast nicht nur zur Jugend, sondern auchzu ihrem höchsten Glück benutzte; und mit wie geringer Abänderungerreichte er seinen Zweck: durch die blosse Vereinigung beiderBilder in eins, wodurch auch die Wiederholung der stereotypenScenen der alten Totentänze, die Abholung der Lebenden durch dieTodesboten, vermieden wurde und die Todesahnung nur dazu diente,das Leben voller, tiefer zu empfinden.

Dass Holbein thatsächlich auf diesem Wege zur Konception desbesprochenen Bildes gelangte, beweist er selbst durch die schonerwähnten beiden Bilder der Braut und des Bräutigams (s. o. S. 192,I 93)> die denselben Gegenstand eben nach dem alten Muster be-handeln (Taf. IX)**). Schon Rumohr (No. 60 S. 54) erklärte sie fürdie ältesten Totentanzbilder Holbeins, die er unmittelbar unter demEinfluss der alten Totentänze zeichnete. Ich kann dies nur be-stätigen, da die Auffassung in beiden Scenen ganz die alte ist: dieweinende Braut und der Bräutigam werden von den Toten einfachfortgeführt, und selbst der im ersteren Bilde hinzugefügte Spielmannerweitert nicht etwa die Handlung, sondern kennzeichnet nur das

*) Woltmann legt diese Worte im Widerspruch zum Bilde der Frau in den Mund.*) Woltmann nennt als Vorbilder ,,1'amoureux" undla jeune mariee" der Danse macabre;näher liegt aber doch der Vergleich mit dem Jüngling und der Jungfrau des Basler Totentanzes,besonders da Woltmann in der Totengestalt des Bräutigams eine Reminiscenz an den Toten desRitters in Gross - Basel sieht. Die Hautlappen an den Beinen dieses Toten hätten, meint er, dasMotiv für die durchgetanzten Stiefel der HoLKEiNschen Totengestalt abgegeben. Dieser allzu kühneVergleich ist aber überflüssig, da ein gestiefelter Toter bereits beim Bürger desDotendantzes" undbeim Nar es HoLREiNschen Alphabets vorkommt.