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Holbeins Totentanz und seine Vorbilder
Entstehung
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das unmittelbare Ende oder überhaupt den Zwang des Todes an;die Totengestalt zerrt bloss als verräterischer Führer den gutgläubigvertrauenden Blinden über Stock und Stein, so dass der Beschauerein durch Bosheit und Verräterei herbeigeführtes Unglück, aber nichtden Tod schlechtweg voraussieht. Man wird dabei unwillkürlich andas berühmte Bild P. Breughels des Älteren in Neapel erinnert: dieBlinden, die sich vom Lahmen führen lassen und dabei zu Fallkommen. Der Unterschied ist nur der, dass in diesem Gemäldedie Ironie erheiternd wirkt, bei Holbein aber grausam genanntwerden muss. In dieser immerhin packenden Ironie erschöpft sichder Inhalt unseres Bildes, und es muss genügen, gerade durch jenenVergleich festzustellen, dass auch hier die dämonische Totengestaltnur dazu dient, den Eindruck der Scene zu verstärken, wobei derKünstler freilich nicht daran dachte, dass die für ihn so oft in An-spruch genommene höhere Gerechtigkeit, das sittliche Moment dadurcharg Schiffbruch leidet.

Der Tote gehört nicht gerade zu den besten Gestalten seinerArt, denn trotz des vorzüglichen Kopfs und der trefflichen Haltungwird er durch die am Becken recht unnatürlich heraushängendenEingeweide entstellt. Der ängstlich tappende Blinde ist dagegenmeisterhaft gezeichnet. Das Missverhältnis zwischen den Händendes Lebenden und des Toten, das sich merkwürdigerweise durchdie ganze Reihe wiederholt, ist hier besonders auffällig. DieLandschaft steht in erster Reihe mit derjenigen von 4, 12, 33, 37.

Der Räuber (44) hat im Walde das schwer beladene Markt-weib überfallen und sucht ihm den Korb, den es auf dem Kopfeträgt, zu entreissen; von hinten her hat ihn aber die Totengestaltgepackt, um ihn in entgegengesetzter Richtung fortzuziehen. Wer inHolbeins Totentanz Erbauung sucht, mag auch in diesem Bilde nichtsweiter finden, als dassder Tod den Sünder, welcher keine irdischeStrafe fürchtet, mitten im Frevel ergreift", als ein Vollstrecker derRache Gottes". Auch soll gar nicht in Abrede gestellt werden,dass der Totentanz in seiner Eigenschaft als Volksbuch vielfach insolcher Richtung gewirkt hat. Es fragt sich nur, ob der KünstlerHolbein sich bei seinen Schöpfungen auf diesen populär-kirchlichenStandpunkt stellte; und da bin ich durchaus Woltmanns Ansicht,dass er sich davon freihielt (s. o., S. 228) und muss daher jene ebencitierte moralisierende Analyse verwerfen, die derselbe Woltmann,