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Holbeins Totentanz und seine Vorbilder
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Darstellungen Holbeins gehören. Dies wurde übersehen, weil mandurchaus jedes Blatt als Todesbild begreifen und bewundern wollteund nicht einsah, dass der alte Totentanz unter Holbeins Händenin dem Masse verschwand, als er zu einer Zeitgeschichte und einemselbständigen Kunstwerke auswuchs.

Ob die Totengestalt in 21 eine ähnliche Rolle spielt wie in Blatt6 und 7, ist mir freilich zweifelhaft. Hinter dem Prediger, dervon der Kanzel herab zur Gemeinde redet, wird ein Gerippe miteiner Stola sichtbar, das irgend einen Gegenstand lässig in die Höhehält. Hören wir darüber zunächst wieder Woltmann. Die Gleissnereides Predigers spreche deutlich aus seinen Gebärden, und der Todhebe eine Kinnlade in die Höhe, um ihn niederzuschlagen, nochehe er Amen gesagt hat. Die Gleissnerei ist aber wiederum nichtim Bilde, bloss in dem später beigefügten Bibelspruch zu finden,und die angebliche Absicht des Gerippes, den Prediger nieder-zuschlagen, verträgt sich schlecht mit seiner den Geistlichen be-zeichnenden Stola und mit der lässigen Armhaltung. Die ver-meintliche Kinnlade endlich hat mit einer solchen nicht die ge-ringste Ähnlichkeit und bleibt zunächst ein völlig unkenntlicherGegenstand*). Dürfte man aber darin doch irgend einen Knochenvermuten, so liegt eine ganz andere Auslegung als die WoLTMANNSchesehr nahe. Nach einem älteren französischen Schriftsteller Hesseinst ein predigender Mönch einen jungen, hinter ihm stehendenKleriker von Zeit zu Zeit einen Totenkopf in die Höhe heben,um seinen ermahnenden Worten grösseren Nachdruck zu verleihen(Langi.ois I, 1 56), sowie ja auch der Prediger des Berner Gemäldeseinen Totenkopf in der Hand hält. War jene Veranstaltung etwaschon im 15. und 16. Jahrhundert üblich, so hätte Holbein zweifel-los mit sehr glücklichem Griff gerade eine solche Scene gewählt,wobei der Totenkopf durch irgend einen anderen Skelettteil ersetztwar, und die Totengestalt, wie so oft in diesem Cyklus, ohne jedeBeziehung zu einem bestimmten, unmittelbaren Tode, als eine dermithandelnden Personen, hier als irgend ein Geistlicher erscheint. Wie dem auch sei, der Hauptwert des ganzen Bildes liegt in

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') Weshalb er auch bei den Kopisten verschiedene Wandlungen erfahren hat. Die LaybacherAusgabe hat ihn einfach beseitigt, in den Ml cm-.i sehen Holzschnitten (No. 51) hält der Tote einSpruchband, in den MECHELschen Stichen (No. 52) ein willkürlich abgeändertes Stück, das Mechelselbst für einen Totenknochen erklärt.