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Deutung *) ist es doch leicht verständlich, dass ein Anhänger derReformation, wie es Holbein war, zu jener Zeit Papstbilder mitTeufelsfratzen verzierte, — ein damals ganz gewöhnlicher Ausdruckdes derben, religiösen Eifers, womit aber natürlich nicht ohne weiteresdie Vorstellung des wirklichen Todes verknüpft war. Jedenfalls habensolche Arabesken — und dies ist der Kernpunkt der ganzen Dis-kussion — ebensowenig wie der im Papstbilde angedeutete Tod einenotwendige Beziehung zu der im ersteren dargestellten bedeutsamenScene, gerade so wenig wie der Tod des Kaisers mit seinem gerechtenThun in Zusammenhang steht.
Das Papstbild schildert keinen Vorgang des gewöhnlichen Lebens,aber auch keine bestimmte historische Begebenheit; vielmehr hatHolbein für seine Zeit mit wunderbarem Geschick denjenigen Momentaus dem Leben vieler Päpste herausgegriffen und zur Darstellunggebracht, worin die Hauptmotive der mittelalterlichen Geschichte amanschaulichsten hervortreten, und so mit den beschränktesten Mittelnein grossartig historisches Bild geschaffen, in demselben Sinne wiedas Bild des Grafen. Es illustriert in einem wirklichen Einzel-vorgange die Weltbegebenheiten einer ganzen Periode. — Zweifellosist das Kaiserbild als ein Seitenstück gedacht; es entbehrt aberdurchaus dasselbe historische Gepräge und ist in dieser Beziehunggeradezu recht schwächlich zu nennen. Die überaus lebendige unddaher leicht verständliche Schilderung eines gerechten kaiserlichenRichters hat doch mit der historischen Bedeutung des mittelalter-lichen oder selbst zeitgenössischen Kaisertums herzlich wenig zu thun;um so weniger, als dieses auf dem vorhergehenden Bilde bei derKaiserkrönung sich ganz anders darstellt. So bleibt in der That
•) Der die Seele empfangende Teufel ist allerdings eine sehr gewöhnliche Darstellung desMittelalters, jedoch nur in wirklichen Sterbescenen (vgl. Geffken No. 21, ferner die späteren Aus-gaben der Danse macabre u. a. m.). Später gewann die Verbindung von Tod und Teufel eineandere Bedeutung, wofür das bekannteste Beispiel Dürers berühmter Stich : Ritter, Tod und Teufelist. Für unseren Fall passender ist eine Darstellung von L. Cranach d. J. aus etwas späterer Zeit:Adam im Paradiese von einer Totengestalt und einem hundeartigen Teufel getrieben (von Frimmelcitiert, wohl identisch mit dem schon von Goethe besprochenen Leipziger Gemälde). Natürlichkann da nicht der wirkliche Tod Adams gemeint sein und daher auch der Teufel nicht dessenSeele holen wollen; beide Gestalten dienen hur dazu, den Eindruck des Schrecklichen hervorzurufenoder zu verstärken. Wenn wir nun in Holbeins Alphabet den Papst (B) ebenfalls ausser von zweiTotengestalten von einem hundeartigen Teufel angefallen sehen , so scheint mir auch eine ähnlicheDeutung dieser Figur ganz natürlich und den Vorzug vor jeder anderen zu verdienen. Unter diesenUmständen wird man noch weniger geneigt sein, die passive und mehr dekorative Figur im späterenPapstbilde im Sinne WoLTMANNs zu interpretieren.