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lenkt sie unsere Gedanken zum Ende des Lebens und zur ewigenRuhe. Sie steigert die Abendstimmung ins Wehmütige, von einemwirklichen Tode sehe ich aber nichts. Woltmann spricht freilichvom Tode, der den Ackersmann am Pfluge trifft und ihm seinePferde antreibt, d. h. mitten in dessen Leben hineinbricht, um esihm zu nehmen. Diese Auslegung ist aber offenbar unrichtig. EinViergespann vor dem Pfluge könnte ohne Treiber gar nicht gelenktwerden; folglich hat der Tod den Ackerer nicht aufgesucht oderunversehens überfallen, sondern dessen gewöhnlicher Begleiter ver-wandelt sich für den Beschauer in die Totengestalt und ruft dadurchjene Stimmung hervor, ohne dass ein wirklicher Tod sich unsaufdringlich darstellt*). Wer möchte unter solchen Umständen nochglauben, dass diese echte Dichtung nicht beabsichtigt war undHolbein vielmehr die „demokratische" Gesinnung seiner Zeit zumAusdruck bringen wollte, indem er den Bauer im Gegensatz zu denvon der „Rache Gottes" hingerafften vornehmen Sündern ruhig sterbenlässt, als sei der Tod ihm eine Wohlthat (vgl. S. 229).
Der Papst (6), der Kaiser (7), der Richter (18), derPrediger (21).
Wieder anders treten die Totengestalten in diesen vier Bildernauf. Sie greifen nicht mehr in menschlich natürlicher Weise indas Leben ein, ja sie bleiben den Menschen offenbar ganz unsicht-bar. Daher erscheinen sie auch wie Visionen — nicht gerade zumVorteil der Bilder.
Ich nenne hier zuerst die Bilder des Papstes (6) und desKaisers (7), historische Darstellungen mit weitestem Inhalt undAusblick im kleinsten Rahmen. Beide sind gleicherweise thronend,in Ausübung höchster Herrscherthätigkeit dargestellt; der Papstnimmt in Gegenwart der geistlichen Würdenträger die Krönung einesvor ihm knienden Kaisers vor, der Kaiser, angeblich mit den Gesichts-zügen Maximilians I. (Massmann)**), hält Gericht, schützt den vor ihm
*) Dies war den früheren Nachahmern Holbeins eben nicht recht. Deshalb wurde auchdas Stundenglas, das Holbein" dem Toten unauffällig um den Hals hing, in der Laybacher Aus-gabe vorn und recht sichtbar auf den Pflug gestellt.
•*) Den thronenden Kaiser mit der vor ihm knienden Person finde ich schon in den Heuresvon 1507. Die Gesichtszüge Maximilians, so wie sie uns durch Dürer bekannt sind, kann ich imHoLBEiNschen Holzschnitt nicht wiedererkennen. Dagegen ist dieses Profil beinahe identisch mitdemjenigen des Königs im Berner Totentanz, den Holbein ja nachweislich gekannt und benutzt hat(S. 190). Dieses Berner Königsbild soll aber das Porträt von Manuels Schwiegervater sein (No. 46).