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an der Bedienung teilnimmt. Da heisst es nun, der Tod kredenzedem König den Wein (Grüneisen), er schenke ihm den tödlichenAbschiedstrunk ein (Wackernagei ), er fülle ihm die Schale (Wolt-mann) oder gar den Pokal (Wesseey); Massmann spricht sogar vonden jammernden Männern des Volks, die vor dem Könige stehenund deren Thränen sich in den „Wehebecher des Todes" mischen(Schlotthauer, S. 19). Offenbar hat Massmann die Armelwülste desDieners, der hinter dem Toten steht, mit einer die Thränen ab-wischenden Hand verwechselt. In der That hebt aber die rechteHand dieses Dieners den Krug und schenkt daraus in die Schüsselein, die der Tote auf seiner flachen Linken hält, während er mitder Rechten den Deckel abgehoben hat. Auch reicht er die Schüsselkeineswegs dem König, sondern dieser hat sie mit ausgestrecktemArm selbst ergriffen. Das Versehen aller Beobachter erklärt sichdaraus, dass die den Krug hebende Hand nach ihrer Haltung auchdem Toten angehören könnte. Sie ist aber nicht mager, knochigwie seine Linke, sondern voll, fleischig; und auf der anderen Seitekann die dürre Hand, die den Deckel hält, nach ihrer Lage nichtdiejenige des Dieners, sondern nur des Toten Rechte sein*). Durchdiese Feststellung ändert sich also die Situation vollständig: die Toten-gestalt schenkt weder ein noch kredenzt sie, vielmehr hilft sie nurdem eigentlichen Mundschenk, wenn es sich überhaupt um einenTrunk handelt. Dazu scheint mir aber die Schüssel als Trinkgeschirrschlecht zu passen; und da der König gleichzeitig in der Rechtenein zusammengelegtes Tuch, ähnlich einem Handtuch hält, so dürftehier die Handwaschung nach beendetem Mahl dargestellt sein. Damitfallen aber alle jene Konjunkturen des Todestrunks. Auch die Auf-fassung , dass der König „mitten im eitlen, irdischen Genuss — imunedlen Fressen und Saufen, sagt Massmann — vom Verhängnis ereilt"werde (Woltmann), kann ich nicht teilen; von dem aktuellen Tod kannin unserem Bild nach dem Gesagten nicht die Rede sein, und der un-leugbare Gegensatz des tafelnden Königs zu dem würdig amtierendenKaiser dürfte genügend hervorgehoben sein, wenn man von dem ersterennur das angiebt, was das Bild zeigt, nämlich die prunkvolle Lebensweise.
1 ) 1 »er Zeichner der Laybacher Ausgabe des Hoi.BEiNschen Totentanzes (No. 69) löste denZweifel sehr einfach, indem er dem Toten eine andere Stellung gab und ihn dann ganz unverkennbarden Krug halten liess, während der Diener ganz verdeckt wurde. Ebenso verfuhr der Maler inChur (s. VÖGEUN, No. 71).