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viel zu sentimental und gesucht; es ist ihm gewiss so wenig ein-gefallen, mit dem Lautenspieler nur ein Traumgesicht wiederzugeben,wie die Geschmacklosigkeit zu begehen, dass er die angeblicheTodesfigur noch ein Symbol des Todes ausführen liess. Auch kannes einem unbefangenen Beobachter nicht entgehen, dass die alteNonne, indem sie mit gekrümmten Fingern nach dem Docht desLichtes fasst, wohl kaum die Absicht haben kann, es auszulöschen,sondern nur es, wie man sagt, zu „putzen". So entfällt auch jedepositive Handhabe, in dem Bilde etwas anderes zu sehen als einedurchaus realistische Schilderung zeitgenössischen Lebens, wobei dieNebenfigur der alten Nonne mit dem Totenleib keine andere Rollespielt als die Totengestalten in den vorigen Bildern.
Das Bild 42, die Säufer, ist ein Seitenstück zu den noch zubesprechenden Spielern, aber eine mehr wüste als packende Scene,aus der weniger Leidenschaft als rohe Lust spricht. Auch da greiftdie Totengestalt thätig ein, was sie aber thut, dass sie nämlich einemGenossen, dessen Kopf sie an den Haaren zurückreisst, unter demBeifall der anderen Saufkumpane aus einem Kruge Wein in denoffenen Mund giesst, das ist kein tödlicher Angriff, sondern blossein roher, in solchen Kreisen wohl nicht ungewöhnlicher Scherz, wiees auch andere Bilder jener Zeit bezeugen*). Das Ganze schilderteben nur mit drastischer Wahrheit die Roheit eines Saufgelages;von einer Todesscene (Schlotthauer) kann ich nichts entdecken.Für das erstere spricht auch die Behandlung desselben Motivs imAlphabet (S. 190), mit dem Unterschied, dass es sich dort nur umeinen Trunkenen in der ganzen Scene handelt und dass daher diewiderlichen Zuthaten des Bildes im grossen Totentanz fehlen.
Das Bild des Königs (8) ist wohl am häufigsten interpretiertworden. Bekanntlich hat zuerst Massmann behauptet, dass dieserKönig nach seinen Gesichtszügen und seiner Tracht ein BildnisFranz' I. von Frankreich sei (ScHLOTTHAUERSche Ausgabe S. 74);Woi.tmanx vergleicht es sogar mit Tizians Porträt desselben Königsim Louvre (No. 78, S. 271). Wie dem auch sei, so ist doch diesesoft beschriebene HoLBEiNsche Bild recht ungenau studiert worden. —Der König sitzt unter dem Baldachin an einer reich besetzten Tafel,umgeben von zahlreicher Dienerschaft, darunter die Totengestalt, die
) In dem „Directorium Statuum, Strassburg 1490" ist dasselbe in einer Säuferscene der„Schelinenzunft" dargestellt.
Goette, Holbeins Totentanz u. seine Vorbilder.
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