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Holbeins Totentanz und seine Vorbilder
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sondern nur ein, wenngleich drastisches, so doch immerhin unter-geordnetes Mittel der Darstellung eines eigentlichen Lebensvorgangs.Der mit einem reichen Pelzrock bekleidete vornehme Rats-herr (20) steht im Gespräch mit einem Bürger, der auf die zwischenihnen am Boden hingestreckte und sich halb erhebende Totengestalt,mit dem Stunden<dase in der Hand, hinweist. Im Nacken des Rats-herrn sitzt eine kleine Teufelsfratze, mit einem Blasebalg in sein Ohrblasend; ein zerlumpter Armer sucht vergebens seine Aufmerksam-keit auf sich zu ziehen. — Nach Mechel (No. 52) bläst der Teufeldem Ratsherrn böse Ratschläge ins Ohr, nach Woi.tmann verschliesster ihm durch das Blasen das Ohr gegen die Klagen des Armen(s. Corrozet in den Lyoner Ausgaben). Diese letztere Auslegung istmindestens sehr gesucht, diejenige von Mechel dagegen zutreffend,weil dasselbe Motiv in dem gleichen Sinn schon bei Dürer, in dessenKupferstich „Der Müssiggang" oder „Der Traum des Doktors" (B. 76),vorkommt. Die Totengestalt wird aber von beiden Kommentatorenin gleicher Weise einfach auf den Tod bezogen, der aus der Erdeemporsteigt (Mechel) oder mit einem: bis hierher und nicht weiter!- sich dem Ratsherrn in den Weg wirft, also sein unmittelbar bevor-stehendes Ende ankündigt (Woltmann)*). Mechels Angabe ist aberein willkürlicher Zusatz, der durch das Bild nicht veranlasst ist**);und andererseits ist die kraftlose Haltung unseres Knochenmannesfür den gewaltigen Herrscher Tod ebenso unpassend wie seine gering-schätzige Behandlung von seiten der Lebenden, denen er angeblicheben sein unwiderstehliches Halt gebietet. Beachtet man hingegen,dass der Bürger, der von den genannten Autoren ganz unnötiger-weise zum „Vornehmen" gestempelt wird, unverkennbar auf dieliegende Gestalt zeigt und dass in dem sonst so ähnlichen vorigenBilde derselbe Knochenmann zu den Mitwirkenden des ganzen Vor-gangs gehört, so wird man geneigt sein, auch hier eine ähnlicheDeutung anzuwenden. Das am Boden in hilfloser Lage befindlicheGerippe wäre alsdann ein elender Armer, dessen Klagen der Bürger,irgend ein Beamter, dem Ratsherrn vorträgt, der darauf, was ebender Teufel andeutet, in unfreundlichem Sinn entscheidet, sowie er

') Nach Naumanns Ansicht starrt die Totengestalt ungeduldig auf die Sanduhr, ob sie nichtbald abgelaufen ist.

Das Aufsteigen des Todes aus der Erde kommt übrigens in anderen Todesbildern vor,z. li. in einem Basler Blatt von H. Balijung , der Tod und eine Frau (Photographie Braun).