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Holbeins Totentanz und seine Vorbilder
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das Niveau einer dramatischen Dichtung erhebt. So ging die KunstHolbeins vor; mit asketischer Todesstimmung und populärer Moralhat sie nichts gemein (s. S. 235).

Wie weit Holbein sich von allegorischen Todesbildern fern hielt,ersieht man am besten aus einem Vergleich mit ähnlichen Darstellungenseiner Vorgänger und seiner Zeitgenossen. Unter den schon mehrfacherwähnten eigentlichen Todesbildern der Heures finden sich zweiArten von Darstellungen. Erstens überrascht der allegorische Tod,ein nacktes Skelett mit dem Pfeil, die Lebenden und stösst sie selbstmit seiner Waffe nieder; oder es wird uns ein wirklicher gewalt-samer Todesvorgang vorgeführt, die Ermordung Abels, die Hin-richtung eines Verbrechers und Ähnliches, und dieselbe Todesgestaltsteht daneben und zückt gleichfalls ihren Pfeil nach dem Opfer(Fig. 14). Der biedere Künstler wusste sich eben nicht anders zuhelfen, um die beliebte Darstellung gewaltsamer Todesarten untereinen höheren Gesichtspunkt zu bringen, und lieferte daher wohlvolkstümlich verständliche, aber jedenfalls unkünstlerische Bilder. —Mit besserem Takt verfuhren natürlich die grossen Maler jener Zeit,indem sie sich nur an die Allegorie des Todes hielten, seine Personohne Waffen, bloss durch ihre Anwesenheit wirken Hessen und da-durch, sowie durch die vollkommene Ohnmacht der Opfer seine All-macht illustrierten. So namentlich Dürer in seinem Tod und Lands-knecht (Bartsch 132)*), Manuel und Baldung in ihren schon erwähntenBildern. Einen Schritt weiter ging Burckmair , der den allgemeinenVorwurf schon bestimmter, wirklicher fasste und zugleich die Schreckendes plötzlichen Todes in grossartigster Weise schilderte. Sein ge-flügelter Würgengel, dem er ohne Zuhilfenahme des Skeletts eingrauenerregendes Äussere zu verleihen wusste, und der einen aufoffener Strasse zusammengebrochenen Krieger würgt und zugleichdas fliehende Weib an dem flatternden Gewand, das er mit denZähnen gefasst hat, zurückreisst, — das soll offenbar nicht der Todschlechtweg sein, sondern die rasend mordende Pest.

Trotz aller Vollkommenheit in der Ausführung gingen aberdiese Darstellungen über die blosse Allegorie des Todes als einer

') DÜRER3 „Ritter, Tod und Teufel" (B. 98) ist natürlich überhaupt nicht zu den eigent-lichen Todesbildern zu rechnen. Ferner bildet sein „Spaziergang" (B. 94) schon eine Ausnahmevon der bezeichneten Darstellung und nähert sich der HoLüKiN'schen Auffassung; denn das jungePaar im Vordergrunde ist schon ganz genrehaft ausgeführt, und der im Hintergründe lauernde Toddient nur dazu, der Scene eine düstere Stimmung zu verleihen.