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Holbeins Totentanz und seine Vorbilder
Entstehung
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der Fortschritt gegenüber der entsprechenden Scene des Alphabets(S. 185) unverkennbar. Dort bleibt es trotz des Bauerngewandesdes Toten bei einer Totentanzscene — der Graf wird ungeachtet allesSträubens fortgezogen, ohne dass die Anwendung einer natürlichenGewalt evident wird —, hier hat sich daraus eine echt historischeDarstellung entwickelt.

Dadurch entfernt sich freilich das Grafenbild von den drei an-deren Bildern, die einfach Kampfscenen enthalten; wir werden aberden Zusammenhang gleich kennen lernen. Jene drei ersten Bildersind übrigens ebenfalls von verschiedener Auffassung. In 16 wirdman durch die schlichte unbewehrte Totengestalt äusserlich noch ammeisten an den alten Totentanz erinnert; immerhin ist dieses Bilddes Edelmanns von dem folgenden des Ritters gar nicht zu trennen,wo der Waffenkampf ein vollständiger ist, worauf uns No. 40 endlichauf ein wirkliches Schlachtfeld führt. Was ist nun diesen drei Kampf-scenen gemeinsam und was für sie bezeichnend ? — Nach allen bereitsmitgeteilten Proben früherer Kommentare kann es nicht wundernehmen, dass die wenigen Bemerkungen, die über die blosse Be-schreibung hinaus jenen Bildern bisher gewidmet wurden, wieder aufmoralische Betrachtungen hinauslaufen. Da erfährt man zum werweiss -wievieltenmal, dass der Tod stärker ist als alle irdische Machtund dass die Träger dieser Macht gottlose Übelthäter sind. Schlott-hauer bezeichnet den Ritter schon in der Überschrift als „Raubritter",und Woltmann lässt Ritter und Kriegsmann durch das Schwertfallen, weil sie damit im Leben Gewalt geübt haben. Zu einerästhetischen Analyse ist aber auch nicht der erste Ansatz gemacht.

Gemeinsam und bezeichnend für unsere drei Bilder ist, dass dieToten als wirkliche Kampfgegner von streitbaren Lebenden auftreten,also andere Lebende vertreten und nichts anderes ausführen als ebensolche , wenn es zum Kampfe kommt. Der einzige Unterschied istder, dass durch die Totengestalt der Untergang des anderen für denBeschauer zur Gewissheit wird, auch wenn der tödliche Streich nochnicht gefallen und der Tote gar nicht oder ungenügend bewehrterscheint. Wir haben also wirkliche Lebensvorgänge vor uns, derenAusgang nur nicht dem wechselnden Zufall oder besonderen Um-ständen unterliegt, sondern vorher bestimmt ist. In den Toten sehenwir daher nichts anderes als das Bild des besonderen Todesgeschicks,des individuellen Verhängnisses, das die natürliche Scene auf