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Holbeins Totentanz und seine Vorbilder
Entstehung
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Der Kardinal (g), auf einem Thronsessel sitzend, hält einSchriftstück mit vielen Siegeln in der Hand und spricht zu einemMann niederen Standes mit zurückgeworfenem Hut, mit Schwert undSporen, sowie mit einem taschenförmigen, am Riemen hängendenFutteral; indes greift die bärtige Totengestalt nach dem Hut desKardinals. Eine nicht ganz klare Scene; der dem Kardinal Bescheidgebende Mann ist nach seiner Ausrüstung am ehesten noch als einBote zu deuten, der das Schriftstück gebracht hat (Mechel). Wolt-mann nennt dieses schlechtweg einen Ablassbrief, den der Kardinalaus den Händen giebt; denn der Bibelspruch der Lyoner Ausgabebedroht diejenigen, die gegen Bestechung den Gottlosen Rechtsprechen und es den Gerechten vorenthalten. Woi.tmann könnte jarecht haben; nur verstehe ich nicht, warum er sich auf den Spruchberuft, der ja für das Bild des Richters (s. u.) wie gemacht ist, aberfür das Kardinalsbild wenig passt. Einfacher verfuhr Schlotthauer,der an dieser wie an anderen Stellen die Sprüche nach Gutdünkenauswählte und sie dann als für die Auslegung massgebende be-handelte. Im übrigen gehört das Bild des Kardinals nicht zu denhervorragenden des Cyklus; Gesicht und Hände des ersteren sindjedoch vorzüglich gezeichnet.

Klarer, aber nicht inhaltreicher ist das Bild des Kaufmanns(29), der vom Tode gefasst und fortgerissen wird, während er imHafen auf den Warenballen seine von der Seereise mitgebrachtenSchätze mustert. Unzweifelhaft ist der Gegensatz zwischen demlebenssicheren Kaufmann und dem ihn unvermutet überraschendenTode von Holbein wohl überlegt ersonnen; ebenso unzweifelhaft istaber für diese allgemein menschliche Situation hier nur zufällig derKaufmann gewählt. Erst Massmann und Woltmann war es vor-behalten, auch da ein Laster zu entdecken: der Kaufmann jagt denvergänglichen Schätzen nach, gleich dem Geizigen und dem Schiffer

ein unzertrennliches Kleeblatt vonMammonsdienern'

Wenn

angelegt, aber seine Ausführung wieder aufgegeben worden, da die dahinter befindlichen Gegenständevollständig sichtbar sind. Mag nun die Vorzeichnung Holbeins auf dem Holzstock unvollständiggewesen sein oder eine Korrektur enthalten haben oder endlich der Formschneider allein an derUnebenheit schuld sein, jedenfalls beweist sie, dass gelegentliche Mängel der Holzschnittenicht ohne weiteres auf Zeichenfehler H0LBEIN8 zurückzuführen sind. Im vor-liegenden Falle zeigt ein Vergleich mitAbrahams Opfer" in den gleichzeitigen HOLBElNschenBildern des Alten Testaments, dass HoLBKIN solche Rauchsäulen wie die erwähnte für den Holz-schnitt sehr wohl zu zeichnen verstand.