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Holbeins Totentanz und seine Vorbilder
Entstehung
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man beachtet, dass das Bild desSchiffers" uns nur die Mannschafteines Fahrzeugs in Todesgefahr zeigt, so wird die Ungeheuerlichkeitjenes Kommentars evident, der die Berufsthätigkeit des Kaufmannsund des Schiffers schlechtweg für etwas Verwerfliches erklärt, dasmit dem Laster des Geizigen zu vergleichen sei. Dass das schonder Verseschmied Corrozet aussprach, ist schlimm genug, nochschlimmer aber, dass ein Woltmann es nachspricht und sogarHolbein dafür verantwortlich macht.

Der Gang des Domherrn (17) zur Kirche, mit einem welt-lichen Gefolge, aus dem die Totengestalt an ihn herantritt und ihmdas Stundenglas zeigt, hat Grüneisen als das beste Bild des ganzenBuchs imponiert; ich finde die Zeichnung auch recht gut, aber denInhalt dürftig und matt.

Der Bischof (12) und der ihn führende Tote bilden ein vor-zügliches Paar; der Bischof ist nicht nur eine der würdigsten, sondernauch eine der schönsten Gestalten der ganzen Reihe. Im Alphabetzieht der Tote den mit aller Macht widerstrebenden und mit demStab sich dagegen stemmenden Bischof gewaltsam mit sich fort; imspäteren Cyklus ist beider Haltung mit feinem Gefühl geändert, derTote hat den Bischof unter den Arm gefasst, dieser folgt auf seinenStab gestützt und leicht vorgebeugt, das Gesicht wie mit zaghafterFrage dem Begleiter zugewendet, an dem keine Spur von Spott undHohn sichtbar ist. Statt der früheren beinahe rohen Gewalt herrschtnur der feste Wille des Führers und die würdige Ergebung desAnderen. Mit dieser Wandlung ist aber die Fortentwickelung unseresGegenstandes nicht abgeschlossen; in Anknüpfung an das bekanntebiblische Wort von der Zerstreuung der Schafe, nachdem der Hirtevon ihnen genommen ist, zeichnete Holbein die Wirkung des un-erwarteten Todes auf die Zurückbleibenden, aber in seiner Weise.Er vermied die nackte Allegorie mit der zerstreuten Schafherde, diebei ihm nur als Beiwerk dient, und zeigt uns die Ratlosigkeit undVerwirrung der von ihrem Oberhirten Verlassenen in den jammerndenund herumirrenden Hirten, Mönchen und anderen Personen, die inder bereut: ansteigenden malerischen Landschaft weithin sichtbar denbewegten Hintergrund zu dem ruhigen Paar vorn bilden. Diesist keine Illustration einer Bibelstelle, sondern die echt künstlerischeUmsetzung eines Redegleichnisses in eine malerisch bedingte Formmit der überzeugenden Kraft der Wirklichkeit.

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