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Holbeins Totentanz und seine Vorbilder
Entstehung
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beimGericht" doch zuerst denkt. Woltmann erblickt in dieserAuslassung einen Zug moderner Humanität, der weit über die Auf-fassung jener Zeit hinausging (S. 277). Mir scheint aber das WortHumanität" hier gar nicht am Platze zu sein. Sobald mit der Auf-erstehung der Toten eine himmlische Belohnung der Gerechten ver-bunden ist, so gehört die Verdammnis der anderen notwendig dazu;die Weglassung dieser letzteren Scene aus Schonung einer Empfindungwäre eine lächerliche Sentimentalität. Ferner kann es auch gar nichtbezweifelt werden, dass Holbein von dieser Sentimentalität frei war;er, der gerade in den Totentänzen (vgl. Alphabet B, M, S) sich vorden ärgsten Derbheiten nicht scheute, der zudem kurz vorher in denapokalyptischen Reitern den feuerspeienden Höllenrachen gezeichnethatte, dürfte doch kaum genau denselben Höllenrachen, den auchseine ursprüngliche Vorlage in Gross-Basel als Sinnbild der Ver-dammnis zeigt, aus überschwänglicherHumanität" im grossen Toten-tanze weggelassen haben. Auch führt Woltmann selbst (II, S. 181)ein besonderes Jüngstes Gericht von Holbein an, das die Verdammtenneben den Gesegneten enthält! Der wahre Grund für die Weg-lassung der Verdammten aus dem Schlussbilde des Totentanzes istnach meiner Ansicht der denkbar einfachste: sie fehlten schon inder unmittelbaren Vorlage, nämlich in demselben Bilde des Alphabets,und dort oder in beiden Fällen wurden sie fortgelassen, weil es indem einmal vorgeschriebenen Rahmen der Bilder an Raum mangelte,um alle Momente der Auferstehung anzubringen. Die einseitige An-ordnung (s. Alphabet) wurde übrigens im grossen Cyklus in einesymmetrische verwandelt.

DasWappen des Todes" hat Massmann (No. 50, S. 116) mitdem Bilde des Malers in Gross-Basel in Zusammenhang gebracht,was aber, selbst wenn man statt Basel richtiger Bern sagt, über eineblosse Mutmassung nicht hinausgeht; ich sehe darin eine allegorischeVignette von untergeordneter Bedeutung.

DER EIGENTLICHE TOTENTANZ.

Da die Reihenfolge des eigentlichen Totentanzes mehr oderweniger eine willkürliche ist und auch die ganze Auffassung dereinzelnen Bilder ausserordentlich wechselt, ist es passender, sie ohne