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Holbeins Totentanz und seine Vorbilder
Entstehung
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Zu den einleitenden Bildern, die keinen notwendigen Zusammen-hang mehr mit der folgenden Reihe haben, gehört noch dasBein-haus". Das Unpassende dieses Bildes für den HoLBEiNschen Toten-tanz wurde schon genügend erörtert*); daher nur noch ein Wortüber seine Ausführung. Statt der zwei blasenden Toten vor demSchädelhaufen, die das Alphabet zeigt, sehen wir hier eine ganzeSchar von solchen Gestalten, darunter eine weibliche, vor einemBeinhause aufgestellt und auf allen möglichen Instrumenten spielen,im Vordergrunde der hockende Paukenschläger. Es ist freilich darinnicht mehr ausgedrückt als im alten Basler Beinhause, die Darstellungist aber von packender Wirklichkeit, wovon man sich am bestenüberzeugt durch einen Vergleich mit einer ähnlichen Gruppe vonDürer, den Musikern im Gebetbuche Maximilians vom Jahre 1515:auch dort stehen neben dem im Vordergründe hockenden Pauken-schläger die Bläser mit ihren langen Tuben. Trotz dieser Ähnlich-keit ist an eine Entlehnung des Motivs durch Holbein aus den fürden Kaiser bestimmten Handzeichnungen Dürers nicht zu denken;beide zeichneten vielmehr gleicherweise nach dem Leben, und obwohlHolbein, gegenüber der Gemessenheit, ja Behäbigkeit in Dürers Bild,seine Toten in wilder Lust und Leidenschaft darstellt, spricht unsdies doch so wirklich an, dass man sie, wie eben geschah, unbedenklichmit Lebenden vergleichen kann.

Das Schlussbild, das sogenannteJüngste Gericht", kommt eben-falls schon im Alphabet vor. Einenwirkungsvollen Abschluss" könntees vielleicht in einem biblischen Bildercyklus bilden; für den Holbein-schen Totentanz bleibt jener Ausdruck eine Phrase, um so mehr, dawir wissen, dass seine unverkennbare Vorlage im Alphabet ohne Be-ziehung zu sonstigen biblischen Bildern vom Basler Beinhause stammt(S. 184). Trotz jener alten Überschrift möchte ich das Bild lieberdie Auferstehung" nennen, weil nur in dieser die Beziehung zumTode liegt, und dann, weil darin die Verdammten fehlen, an die man

eigentliche Original HoLBEINs galt, und sollte im Holzschnitt nur zur Ausfüllung des Raums dienen.Oie völlige Haltlosigkeit dieser Auffassung geht aber schon daraus hervor, dass die gleiche Land-schaft bereits in der ScHEDELSchen Chronik vorhanden ist.

) Wissuv sagt von diesem Beinhause:Eine schmetternde Fanfare kündigt den gewaltigenSieger an." Dies passt nicht einmal zur Bedeutung des Basler Beinhauses; bei Hoi.bein ist esvollends unzutreffend. Die früher erwähnte Auffassung Ckimisens, der im Beinhause die Ein-leitung zum Weltgericht sah (S. 184), ist ebenso unpassend, da HOLBEIN das Weltgericht im Schluss-bilde schildert.