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Holbeins Totentanz und seine Vorbilder
Entstehung
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Kontrast zu der schmählichen Flucht der Schuldigen liefert undgleichzeitig das kirchlich-asketische: der Tod ist der Sünde Sold in das natürlichere: der Tod ist aller Menschen Erbteil mil-dert. Kurz, Holbein legt das Hauptgewicht nicht auf die Allegoriedes Todes, sondern auf die künstlerischen Reflexe, die von derTotenfigur auf den ganzen Vorgang fallen*).

Das vierte Bild, der arbeitende Adam, lehnt sich wieder an einbestimmtes Vorbild an (Schedel, Bl. IX)**). Genau genommen istes überflüssig, nachdem der Einzug des Todes in die Welt bereitsdargestellt war; denn er setzt eigentlich nur denselben Gedankenfort. Adam rodet in schwerer Arbeit einen Baum aus, ihm hilft ingleicher Weise die Totengestalt; im Hintergrunde sitzt Eva mit ihremKinde. Dabei bloss an Adams Tod zu denken (Vögelin, No. 71)wäre so wenig angebracht wie beim vorigen Bilde, trotzdem dasStundenglas nicht fehlt***); denn indem Holbein dem ScHEDELSchenBilde die dort fehlende Totengestalt hinzufügte, hat er bloss dieDarstellung des Fluchs, der das erste Menschenpaar traf, ergänzt(Arbeit Sterblichkeit). Die vollkommene Übereinstimmung zwischenAdam und seinem Begleiter in Haltung und Stellung, was sich aufdie einzelnen Gliedmassen erstreckt, spricht auch deutlich genug:Leben und Sterben gehen nebeneinander her, sind untrennbar ver-bunden. Wir werden aber mit dieser Wiederholung des Gedankensvon No. 3 ausgesöhnt durch die Schönheit der Komposition. Derkunstvolle Aufbau der Gruppe, die vorzügliche Anpassung der ödenLandschaft und der vollkommene Abschluss des Ganzen machen eszu einem der besten Bilder des ganzen Cyklus****).

) Mechel (No. 52) sieht in dem Gebaren der Totengestalt die Freude über ihren Triumph (?);Woltmanns Erläuterung: der Tod macht Musik zur Flucht, ist auch nicht gerade belehrend.

**) Es ist dies übrigens ein altes Motiv, indem der das Feld bearbeitende Adam mit derdaneben sitzenden und spinnenden Eva schon in Herrads Hortus deliciarum vorkommt.

**) Das Stundenglas findet sich in zwei Dritteln aller HoLBEiNschen Bilder vor, ist aber trotz-dem nicht einfach als Attribut der Totengestalten mit Bezug auf den durch sie gebrachten Todaufzufassen. Nur sechs von ihnen tragen das Glas (n, 17, 19, 20, 22, 38); in der Regel ist esirgendwo abgestellt, nicht selten so, dass die unmittelbare Beziehung zu den Toten ganz undenkbarist und es ein selbständiges Todesemblem darstellt. In 13 sieht man es oben in einem Fensterdes Schlosses, in 14 im Geäst des Baumes. Zum erstenmal finde ich es in den Holzschnitten II-neben dem Prediger anf der Kanzel, also ebenfalls ohne Beziehung zu einem Toten. Vgl. auchWessely S. 29, wo auf dem Holzschnitte Kaiser und Tod als Schachspieler (1480?) ein Engel dasStundenglas hält.

**) Vögelin urteilte gerade umgekehrt (No. 71, S. 1719): ihm schien die Landschaft leer,unorganisch, ein verunzierendes Beiwerk, denn sie fehlte im Churer Wandgemälde, das ihm als das