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Holbeins Totentanz und seine Vorbilder
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eins von den vielen Bildern desselben Inhalts ist derSündenfall"(2)*). Die französischen Vorbilder veranschaulichen den Tod alsder Sünde Sold" durch eine Totengestalt, die mit einem grossenPfeil bewaffnet, Adam erfasst, während er mit Eva unter demominösen Baum steht (Fig. 94); keine sehr glückliche Auffassung,da doch nicht Adams sofortiger Tod angedeutet werden sollte.Holbein hat den Tod beim Sündenfall ganz fortgelassen und ihnpassender erst im dritten Bilde, der Austreibung aus dem Paradies,angebracht. Dort erscheint er vor dem vertriebenen Paar als seinFührer in das neue Leben der Sterblichen, als der fortan stetigeBegleiter des Menschen auf allen seinen Wegen; aber nicht alseine erhabene allegorische Vision, sondern als der musizierende undtanzende Gesell der Totentänze. Welche Berechtigunghat nun eine solche Gestalt an dieser Stelle?

Der übliche Totentanz ist hier natürlich ebensoausgeschlossen wie überhaupt ein wirklicher Tod, undfür die blosse Allegorie der Sterblichkeit sind Lauteund Tanz wenig passend. Also schon im ersten Be-ginn der Interpretation unseres Cyklus stösst man aufSchwierigkeiten, sobald man von einem solchen Kunst-werk verlangt, dass es in allen Stücken die genaue Ver-anschaulichung bestimmter Gedanken und Vorstellungensei. In einem solchen Fall muss es vielmehr durchausgenügen, wenn der allgemeine grundlegende Sinn deut-lich hervortritt, wie es in unserem Bilde unzweifelhaftgeschieht; die eigentliche Kunst besteht im übrigen darin, mit dieser Er-kenntnis auch unser bewusstes oder unbewusstes Wohlgefallen hervor-zurufen, und die Mittel, durch die der Künstler dies erreicht, verwendeter souverän, sie unterliegen nicht mehr schlechtweg der logischenDefinition, sondern werden nur nach ihrer Wirkung gewertet. Stattnach der äusseren Berechtigung der Totengestalt in unserem Blatte,haben wir vielmehr zu fragen, was erreichte Holbein durch sie? Nun,ich meine, eine ernste Allegorie hätte uns kalt gelassen, während diegegenwärtige Figur uns durch ihr ganzes Gebaren menschlich näherrückt, durch die Mischung von Humor und Ironie den wirksamen

Fig. 94.

Adam und Evaaus den Heuresvon 15 1 5 , nach

Montaiglon.

1 AlsBaum der Erkenntnis" zeichnet Holbein einen Feigenbaum, in Corrozets begleitendenVersen wird er als Apfelbaum bezeichnet. Corrozet folgte offenbar der Tradition, Holkein derbiblischen Erzählung des SUndenfalls, wobei die Feigenblätter erwähnt werden.