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vor uns abspielt. Der alte Totentanz gab Holbein nur den Anstoss,das äussere Motiv; derselbe Name hat daher nur historische Bedeutung,denn gerade einer der Hauptkunstgriffe Hoijiktxs war, die Figurendes Todes und der Toten unmerklich zu eliminieren und durch denblossen Schein von solchen und zugleich durch ihre Lebenswahrheitin Bewegung und Handlung das Dramatische der Scenen zu steigern.
EINLEITUNG UND SCHLUSS DER BILDERREIHE.
Woltmann nennt den grossen Totentanz Holbeins „in sichorganisch gegliedert, sinnvoll eingeleitet und wirkungsvoll ab-geschlossen" (S. 261). Dies ist genau Massmanns Standpunkt, zudem man nur gelangen kann, wenn man unser Bildwerk schlechtwegfür eine Wiederholung der alten Totentänze nimmt und den grund-sätzlichen Unterschied beider völlig übersieht. Die letzteren gebenallerdings einen zusammenhängend gedachten Vorgang wieder, wozudas Beinhaus eine treffliche Einleitung war, und wobei selbst eineIllustration der Anrede des Predigers durch biblische Bilder, wie inBern (S. 150), immerhin im Gedankengange des Ganzen blieb.Holbein hat aber die ganze frühere Vorstellung des Totentanzes unddamit den gedachten Zusammenhang aufgegeben; indem er dieeinzelnen Scenen ganz unabhängig voneinander behandelte und dabeiauch die alte Rangordnung vernachlässigte, verzichtete er überhauptauf jeden bestimmten Plan in seinem Cyklus. Wie weit er daringing, zeigt eben die Fortlassung des Predigers> an dessen Stelle diebiblischen Bilder treten, obgleich sie ja nur seine Rede ver-anschaulichen sollen. Nach ihrer Beziehung zum übrigen Totentanzsind sie folglich ganz deplaciert, ebenso wie das Beinhaus. Diesschliesst natürlich nicht aus, dass sie als Einzelbilder „sinnvoll" aus-geführt sein können, was aber freilich nicht durchweg zutrifft.
Über die Veranlassung zu diesen Bildern habe ich bereitsgesprochen (S. 232); es erübrigt hier nur noch eine Bemerkungüber ihre Vorbilder. Die Erschaffung Evas (1) ist geradezu eineKopie dieser traditionellen Darstellung in den Heures von 1490 und1507, womit alles gesagt ist*); weit besser ausgeführt, aber doch nur
) WOLTMANN scheint dieser Ursprung unbekannt zu sein (S. 221, 269).