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Was nun dabei die Erinnerung an den Tod für einen Zweckhatte, soll hier durch den Hinweis auf die schon genannten Kampf-scenen (16, 31, 40) vorläufig und beispielsweise angedeutet werden.Trotz des ersten flüchtigen Eindrucks sind es keineswegs Todes-bilder im hergebrachten Sinn. Denn der Tod, der uns da vorgeführtwird, ist ein ganz natürlicher Vorgang, der genau ebenso erfolgenwürde, wenn statt der Totengestalt ein lebender Kämpfer dastände.Hoblein wusste aber oder empfand genau, was er that: durch diedämonische Gestalt erhält jener an sich ganz einfache Vorgang dieBedeutung eines individuellen Verhängnisses. Der Künstlerrührt dadurch an unsere Phantasie, und statt des natürlichen Lebens-abschlusses eines Kriegers im Kampfe entrollt sich vor uns ein Bildseines Lebens, seines Berufs, seiner Schicksale und seines Endes.Was uns vielleicht im ersten Augenblick ein einfaches Todesbilderschien, wird zum Bilde bewegten dramatischen Lebens.
Wenden wir uns jetzt zu jener kleinen Zahl der erstgenanntenBilder zurück, so werden sie uns auch nicht mehr bloss als vervoll-kommnete Scenen des alten Totentanzes erscheinen; denn wenn siesich auch darauf beschränken, den Tod zu schildern, wie er mittenins volle Leben hereinbricht, so wird dadurch nicht der Schreckendes Todes im alten Sinn gesteigert (Grüneisen u. A.), sondern um-gekehrt die Energie des Lebens, ja gelegentlich neues Leben ersthervorgerufen wie im Bilde des Bischofs (12), dessen Hingang weiteKreise in mächtige Bewegung versetzt. Also immer wieder führtuns Holbein zum Leben zurück, auch wo er den Tod schildert; meistsind aber seine Totengestalten nur das Mittel, das wirkliche Lebendichterisch zu beleuchten und zu erhöhen. Doch kann dies wiealles vorhin Gesagte nur in der eingehenden Betrachtung aller Bilderzur Evidenz gelangen. In diesen einleitenden Bemerkungen solltennur die allgemeinen Gesichtspunkte angegeben werden, die für jeneBetrachtung massgebend erscheinen und deren wesentlicher Inhaltkurz zusammengefasst lautet:
Es ist ein Missverständnis, dass der bedeutende Eindruck derHoLBEiNschen Bilder des Totentanzes irgendwie auf ein grossartigesHervortreten des Todesvorgangs und des Memento mori zurück-zuführen sei. Er rührt vielmehr von der meisterhaften Schilderungdes Lebens her, das durch die dämonischen Gestalten nur gehoben,sich in tausendfältigem Wechsel menschlicher Beziehungen und Affekte