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äusserlich den alten Totentanz vortäuschen Bei genauerem Hin-sehen entdecken wir aber auch dort Holbeins Eigentümlichkeit, dieihn wieder weit von jenem Totentanz entfernt. Zunächst wieder-holt sich das, was schon für das Alphabet angeführt wurde: Hol-beins Drange nach dramatisch bewegter Gestaltung widerstrebt diePassivität der dem Tode Geweihten, sei es wirklich Sterbender oderdem Tode resigniert entgegensehender Personen und noch mehr diegleichförmige Wiederholung solcher Figuren. Er schildert wohl dennahenden, den überraschenden Tod, aber niemals den eigentlichenSterbeakt *); die von dem Tode Bedrohten wehren sich mit allerKraft gegen den Angreifer (Königin 11, Abt 14, Mönch 23, Kauf-mann 29, Herzogin 36, Krämer 37), sie kämpfen selbst mit ihm(Edelmann 16, Ritter 31, Krieger 40) oder jammern in ihrer Ohn-macht (Äbtissin 15, Kind 39), sie setzen sich gelegentlich ruhig mitihm auseinander und folgen seinem Ruf (Bischof 12, Domherr 17,altes Weib 25, alter Mann 33), wie einer Überredung nachgebend,aber immer sind es Bilder des vollen Lebens vor dem Tode, nichtTodesscenen im gewöhnlichen Sinn. Ja man kann sagen, dass allediese Personen sich ihren unheimlichen Partnern gegenüber nichtanders benehmen, als wie sie anderen Mitlebenden begegnen würden,die einen ähnlichen Zwang auf sie ausübten. Und das Seitenstückdazu bilden die Totengestalten, diese dämonischen Wesen, die lebens-wahr in ihrem menschlich anmutenden Gebaren, nur durch ihreGestalt einem anderen Existenzgebiet angehörig erscheinen, im übrigenaber an dem geschilderten Leben wie wirkliche Menschen teilnehmen.Die Besonderheit der citierten Zeichnungen ist aber damit nichterschöpft, dass die Lebenden mit den Totengestalten wie mit ihres-gleichen im natürlichen Leben verkehren; denn es entsprach derUnbefangenheit der mittelalterlichen Kunst, auch das Übernatürlichewirklich darzustellen, so dass auch in den alten Totentänzen nebenden in der Regel völlig passiven Sterbenden gelegentlich Beispielejenes Verkehrs anzutreffen sind: so der Wucherer in Gross-Basel,der dem Toten ein Lösegeld anbietet oder der Schreiber im Doten-dantz, der den Toten würgt und tritt. Der wesentliche Unterschiedist aber der, dass hier trotz aller Natürlichkeit der Darstellung Ziel
Der sterbende König auf der Dolchscheide gehört nicht hierher, weil diese Zeichnungnoch auf dem Boden des alten Totentanzes steht; immerhin lässt auch jene Figur im Hinsinkennoch die unmittelbar vorher entwickelte Energie der Abwehr erkennen.