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Holbeins Totentanz und seine Vorbilder
Entstehung
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gilt allgemein für selbstverständlich, dass der Grossbasler Totentanzihm zum Vorbild diente; nur muss hinzugefügt werden, dass dieserdabei nicht gleichbedeutend war mit dem mittelalterlichen Totentanzüberhaupt. In den französischen Totentänzen und ihren norddeutschenNachahmungen überwog das Lehrhafte, die Todesmahnung desTextes, und daher zeigte seine Illustration nur geringe Selbständig-keit. Erst die oberdeutschen Basler Totentänze gingen darin weiter,und im Zusammenhange damit erfolgte die Auflösung des Ganzenin einzelne Bilder, die schon in Klein-Basel, noch mehr in Gross-Basel die Ansätze zu einer freieren, individuellen Ausbildung zeigen.An diese erst knüpfte Holbein an, und es bleibt fraglich, ob ihmein Gemälde wie das Lübecker dieselbe Anregung gegeben hätte.

Wir sahen, wie die Auffassung Platz griff, dass Holbein denalten Grundgedanken des Totentanzes von der Allgewalt des Todesangeblich dadurch vertiefte oder richtiger verschärfte, dass er denletzteren mitten ins Leben hereinbrechen Hess (S. 225). Dies istschon deswegen unrichtig, weil Holbein gar nicht in allen Bildernden Tod selbst und die angegebene Situation schildert; ich glaubeauch, dass jeder unbefangene Beschauer bei Holbein gerade dasZurücktreten jenes Mahnrufs, im Vergleich zu den früheren Toten-tänzen, wohlthätig empfinden und um so rückhaltloser die überallvordringenden Lebensbilder anerkennen wird. Beabsichtigte er blosseine Vervollkommnung der alten Todesbilder, dann muss man sichvor allem fragen, warum er denn seine Totengestalten so abänderte,dass sie weder Tote noch den Tod darstellten. Dieser Umstandund die ganze Art und Weise, wie er sein Vorbild oder vielmehrseine Vorbilder benutzte, müssen vielmehr zu ganz anderen An-schauungen führen.

Gleich in den einleitenden Bildern besteht ein wesentlicherUnterschied von Gross-Basel. Ein Predigerbild, das zu HolbeinsZeit auch in Gross-Basel fehlte, hat er allerdings auch seinem Toten-tanz nicht vorangestellt, es findet sich aber mitten in demselben.Holbein muss es also aus der gedruckten Danse macabre oder denBlockbüchen entlehnt, dann aber in den eigentlichen Totentanz ver-setzt haben, weil er darin ein passendes Motiv zu einem solchenBilde fand, wie es die übrigen jener Reihe sind. Dafür nahm erstatt des einen biblischen Bildes, das sich in Gross-Basel unauffälligan das Ende der Reihe anschloss (Paradies), gleich ihrer fünf auf,