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Eindruck echt HoLBEiNschen Geistes machen wie die übrigen Bilder,ohne dass die Lebensweise, der Beruf jener Personen dort genauerangedeutet wären als etwa in den alten Totentänzen. Und ebensounbegründet sind die aus der irrigen Voraussetzung gezogenen Schlüsse.Die Vermehrung der in einem Bilde vereinigten Personen trifft dochlange nicht für alle Nummern zu, besonders wenn man die nichtseltene Verdoppelung der Toten, die an der Auffassung der Scenenichts ändert, unberücksichtigt lässt. So fehlt jene Vermehrung derLebenden in einem Drittel aller Bilder des grossen Totentanzes(No. 14, 16, 23, 25, 27, 28, 31, 32, 33, 36, 37, 38, 43, 45, 46);im Alphabet kommt sie sogar nur bei den Buchstaben X und Yvor. Dagegen schuf schon Manuel Gruppen (Papst, Mönche, Krieger,Kind, Juden und Heiden), ebenso H. Klauber (Mutter und Kind), jaselbst der Meister der Danse macabre (Wucherer); dadurch habensie aber keineswegs Holbeins Standpunkt auch nur annähernd er-reicht. Selbst der vollkommene äussere Abschluss der Bilder undalles Beiwerk können den Eindruck der eigentlichen Darstellungallerdings sehr wirksam unterstützen, aber nicht selbst hervorrufen;Merlans und Chovins Stiche des Grossbasler Gemäldes sind in dieserHinsicht ebenso behandelt (Rahmen, Landschaft u. Ä.), ohne dass siein ihrer Wirkung auch nur ihr schlichteres Original in Gross-Baselerreichten.
Vollends theoretisch konstruiert ist die Folgerung Wackernagels,dass, da der Tod jäh ins Leben, unter die ihrer Beschäftigung nach-gehenden Menschen einbreche, er nicht mehr als tanzender erscheinenkönne; denn Holbein hat, wie ich schon angab (S. 169), mehr tan-zende Tode gezeichnet, als in manchem alten Totentanze vorkommen,und eine grosse Zahl von den übrigen Toten in keiner anderen Be-wegung dargestellt als jene seine Vorbilder.
Wie man sieht, charakterisieren die von Wackernagel hervor-gehobenen Momente keineswegs den Totentanz Holbeins im ganzenund am wenigsten in dem angegebenen Zusammenhang. Am be-stimmtesten muss ich mich aber gegen die allgemeine Voraussetzungwenden, die Wackernagel als eine selbstverständliche voranstellt, dassHolbein durchweg Todesscenen gezeichnet habe, in denen der per-sonifizierte Tod die Katastrophe herbeigeführt. Denn abgesehen vonder irrigen Deutung der Totengestalten, die Wackernagel als wirk-liche Gerippe und daher als Sinnbild des Todes auffasste, ist es nur